Acer kauft Gateway
Der taiwanesische Computerhersteller Acer übernimmt den US-Konzern Gateway und greift auch nach Packard Bell.
Der taiwanesische Computerkonzern Acer übernimmt den viertgrößten amerikanischen PC-Hersteller Gateway für 710 Millionen US-Dollar [526 Mio Euro] in bar. Das teilten die beiden Unternehmen am Montag mit. Gateway ist die Nummer zehn auf dem globalen PC-Markt. Damit baut die rasant expandierende Acer ihre Position als drittgrößter PC-Anbieter der Welt vor allem auf dem heiß umkämpften US-Markt aus und legt auch in Europa und in Asien weiter deutlich zu.
Kampf der Großkonzerne
Globale PC-Spitzenreiter sind Hewlett-Packard und Dell, während Acer und der chinesische PC-Hersteller Lenovo um den dritten Rang kämpfen. Lenovo, der größte chinesische PC-Produzent, war durch den Kauf der IBM-PC-Sparte in die Spitzenliga aufgerückt.
Acer wird es nach der Akquisition auf einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Dollar [11,1 Mrd. Euro] und Auslieferungen von mehr als 20 Millionen PCs bringen. Die Gateway-Aktionäre bekommen 1,90 Dollar je Aktie. Das bedeutet ein massives Aufgeld von 57 Prozent. Acer verspricht sich Synergieeffekte von mindestens 150 Millionen Dollar vor Steuern. Die Transaktion soll im Dezember 2007 über die Bühne gehen.
Gateway in Turbulenzen
Gateway hatte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Umsatzrückgang auf 1,8 Milliarden Dollar von 2,0 Milliarden ein Jahr zuvor verbucht und befand sich mit einem Halbjahresverlust von 6,7 [20,0] Millionen Dollar weiter in den roten Zahlen. Die Gesellschaft hatte im zweiten Quartal 2007 einen deutlichen Absatzrückgang von 13 Prozent auf 1,1 Millionen PCs verzeichnet.
Der deutlich kleinere PC-Hersteller Packard Bell, um den sich auch Lenovo bemühen soll, könnte auch Teil des neuen Konzerns werden.
Gateway will von seinem Einspruchsrecht beim Verkauf der Aktien der PB Holding Company, der Muttergesellschaft der in Paris beheimateten PC-Firma Packard Bell BV, Gebrauch machen. Das gab die Gateway Inc. mit Sitz im kalifornischen Irvine in einer separaten Mitteilung am Montag bekannt.
Rätselraten um Packard Bell
Packard Bell war vom Unternehmer Lap Shun Hui vom japanischen NEC-Konzern gekauft worden. Er hält alle Anteile der PB Holding. Gateway teilte mit, Lap Shun Hui die Übernahme aller PB-Holding-Aktien angeboten zu haben, und zwar zu einem Preis, der ihm von einer Drittpartei angeboten worden sei.
Lenovo hatte vor kurzem Interesse an einem Kauf von Packard Bell gezeigt. Lap Shun Hui hatte den PC-Hersteller eMachines im März 2004 an Gateway verkauft. Im Zuge der Abwicklung dieses Geschäfts erhielt Gateway 2006 die Einspruchsrechte bei einem Packard-Bell-Verkauf.
Gateway teilte außerdem mit, es gebe Verkaufsgespräche für die in den USA beheimatete Geschäftssparte. Diese arbeitet mit Schulen, Behörden und Unternehmenskunden. Sollte das Unternehmen beim Kauf der Packard Bell BV und beim Verkauf der Profisparte zum Abschluss kommen, stehe das im Einklang mit der Gateway-Strategie, sich auf das wachsende Verbrauchergeschäft in den USA und im Ausland zu konzentrieren, hieß es.
(dpa)
