26.02.2004

MOBIL

Handys als Musikindustrie-Hoffnung

Die Musikindustrie setzt derzeit große Hoffnung auf das boomende Geschäft mit Musik am Handy.

In Deutschland vereinbarten jetzt Universal Music International und T-Mobile eine Kooperation für so genannte "Real Tones", also Ausschnitte aus Original-Musikstücken.

Wie beide Unternehmen zu Wochenbeginn ankündigten, sollen T-Mobile-Kunden in Kürze zu den ersten Handynutzern gehören, die Real Tones per Handy herunterladen können.

Mobile Downloads

Noch einen Schritt weiter als Universal und T-Mobile geht der deutsche Netzbetreiber O2. Vom 1. März an können O2-Kunden komplette Musikstücke auf ihr Handy herunterladen. Ein Lied gibt es ab 99 Cent inklusive Übertragungskosten.

Allerdings ist für diesen Dienst noch ein zusätzlicher von Siemens entwickelter Player notwendig, der an das Handy angeschlossen werden muss und für Bestandkunden 99 Euro kosten soll:

"Wir bieten das in Großbritannien seit Weihnachten an und es läuft fantastisch", berichtet eine Sprecherin. Zahlen nennt sie aber nicht.

So gerne sie über ihre neuesten Dienste berichten, so verschwiegen sind die Mobilfunk-Konzerne bei Umsatz- und Gewinnanteilen ihres Musikgeschäfts. "Musik spielt eine extrem wichtige Rolle für uns", heißt es bei T-Mobile lediglich. "Das ist schon jetzt ein wichtiges Geschäftsfeld für uns - und mit UMTS wird es noch bedeutender werden", sagt eine Vodafone-Sprecherin. "Wir haben große Erwartungen an dieses Geschäftsfeld", heißt es auch bei O2.

Verteilungsfrage

Die Gewinnmargen der mobilen Musikanbieter dürften hoch sein: So kosten ein paar polyphone Piepstöne bei T-Mobile oder beim Klingelton-Pionier Jamba 1,99 Euro.

Die Unternehmensberatungsfirma ARC Group schätzt, dass der Umsatz mit den Soundfragmenten 2003 weltweit um 40 Prozent auf 3,5 Milliarden USD anstieg. Damit machten die Tonfolgen bereits rund zehn Prozent des weltweiten Musikmarktes aus.

Bei den Musikkonzernen kommt von den Gewinnen bisher allerdings nur ein kleiner Teil an: "Bis jetzt ist das noch nichts", bedauert Phonoverband-Sprecher Hartmut Spiesecke. Lizenzgebühren gingen an die Autoren und an die Verwertungsgesellschaften.

Mit der wachsenden Verbreitung von "Real Tone"-Handys hofft der Phonoverband auf eine allmählich sprudelnde Einnahmequelle. Erst recht gelte das für den mobilen Download kompletter Musikstücke. "Wir rechnen damit, dass das ein wichtiges Geschäftsfeld wird."