Gemeinsam das virtuelle Wien bauen

26.08.2007

Das Projekt Wiki Vienna verfolgt den ehrgeizigen Plan, gegen die Kartensysteme von Google und Microsoft antreten zu wollen. Mit Hilfe der Nutzer sollen stets aktuell gehaltene Pläne entstehen.

In kleinen Schritten haben sie sich um die Statuen auf dem Wiener Josefsplatz herumbewegt, sind durch den Prunksaal der Nationalbibliothek geschlichen, um jedes Detail haargenau zu katalogisieren. Eine hochauflösende Digitalkamera sorgte für die perfekten Bilder. Das Ergebnis ist ein virtueller 3-D-Erlebnisraum.

In zweieinhalbjähriger Teamarbeit haben die Entwickler des VRVis Wien [Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung] mit verschiedensten Institutionen Algorithmen und technische Möglichkeiten entwickelt, um aus Digitalfotos 3-D-Modelle zu konstruieren.

Wiki Vienna

Die Entwicklung des Systems befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Der Projektverantwortliche Georg Rothwangl und die Entwickler vom VRVis wollen es als Grundlage für ihr neuestes Produkt nutzen, einen interaktiven Stadtführer für Wien, bei dem die Nutzer mit eigenen Fotos die Informationen des Systems ergänzen können. In Anlehnung an die Wikipedia soll der gemeinsam erstellte Plan Wiki Vienna heißen.

"Bis jetzt haben wir gewusst, wer wo welches Bild mit welcher Kamera aufgenommen hat. Die Schwierigkeit war, aus den verschiedenen Bildern ein einheitliches 3-D-Modell zusammenzubauen", sagt Rothwangl, "die Wiki-Vienna-Gemeinde fotografiert mit Handykameras. Die Herausforderung für uns besteht darin, aus den unterschiedlichen Fotos, die von den unterschiedlichsten Leuten zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten aufgenommen wurden, unser Stadtmodell zu konstruieren."

Google Earth und Microsoft

Wiki Vienna soll den Großen die Stirn bieten können. Die Karten in den Anwendungen von Google und Microsoft sind zwar umfassend, doch nicht immer besonders aktuell, denn es ist teuer, die Karten immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Für Aktualität sollen in Wiki Vienna die User selbst sorgen und die Bilder, die sie mit ihren Handys in der Stadt schießen, an den Server des Systems schicken, wo sie mit den vorhandenen Bildern und Metainformationen zum Standort kombiniert werden. Die Nutzer können auch kleine Nachrichten, Hinweise und Tipps an ihre Fotos anhängen.

Das Forschungsprojekt Wiki Vienna läuft drei Jahre lang, 2010 sollte der erste Prototyp fertig sein. Einige der Projektmitarbeiter sind allerdings, so Rothwangl, bereits zu Microsoft gewechselt.

Heute in "matrix"

Mehr zum Thema Sonntagnacht um 22.30 Uhr auf Ö1 im Netzkultur-Magazin "matrix".

(matrix | Astrid Schwarz)