"Goodbye Privacy" auf der Ars Electronica
Eine Richterkonferenz zum Thema "Grundrechte in der digitalen Welt", das Symposion "Goodbye Privacy" und eine "Second City" bilden die Schwerpunkte der diesjährigen Ars Electronica.
Noch nie zuvor habe die Ars Electronica ein Thema zeitlich so punktgenau getroffen wie heuer, sagte Christine Schöpf vom ORF Oberösterreich, die gemeinsam mit Festivaldirektor Gerfried Stocker das diesjährige Festivalprogramm präsentierte. Selbst in Printmedien würden die Themen Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und das lustvolle Zurschaustellen der Privatheit auf Weblogs und Web-Plattformen wie Flickr thematisiert.
Unter dem Motto "Goodbye Privacy" setzt sich das Linzer Festival für Kunst und Technologie heuer mit den Themen Privatheit und Öffentlichkeit auseinander und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der freiwillig aufgegebenen Privatheit - etwa auf Internet-Plattformen - und technologischen und gesellschaftlichen Überwachungsszenarien, die oft nicht bewusst wahrgenommen werden.
Richterkonferenz zum Auftakt
Zum Auftakt lädt am 5. September die Österreichische Richtervereinigung gemeinsam mit der Ars Electronica zum Symposion "Grundrechte in der digitalen Welt", bei dem unter anderem die Themen Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung und die gesellschaftlichen Risiken von öffentlichen Registern zur Sprache kommen.
"Was ist eigentlich Privatsphäre?"
In den beiden darauf folgenden Tagen untersucht das von Ina Zwerger und Armin Medosch kuratierte "Goodbye Privacy"-Symposion die Frage "Was ist eigentlich die Privatsphäre?".
In der Linzer Kunstuniversität werden dabei unter anderen Danny O'Brien von der Electronic Frontier Foundation [EFF], Konstantin Guericke von der Social-Networking-Plattform LinkedIn, der deutsche Politikwissenschaftler Ralf Bendrath und der Autor und Aktivist Brian Holmes untersuchen, wie sich das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit verändert hat und welche gesellschaftlichen Herausforderungen sich daraus ergeben.
"Second City" Linz
Die Ars Electronica werde sich heuer jedoch selbst verstärkt in den öffentlichen Raum begeben, kündigte Stocker an.
Auf einer "Insel" auf dem Linzer Pfarrplatz, gleichsam der Ausgangspunkt des Festivals, und in der Marienstraße sollen sich während der Ars Electronica realer und virtueller Raum vermengen. Dabei nimmt man Anleihen beim Online-Spiel "Second Life", die Umsetzung des Paralleluniversums wolle man jedoch um einiges fantasievoller gestalten als das Online-Rollenspiel.
In den vollständig angemieteten, seit Jahren leerstehenden Geschäften der Linzer Marienstraße können sich Festivalbesucher unter anderem eine "Second Life"-Frisur verpassen und ein Fitnessprogramm erstellen lassen, das den eigenen Körper nach dem Vorbild der muskelbepackten "Second Life"-Avatare formt.
"Gruppenfoto von oben"
Am Samstag, dem 8. September, soll ganz Linz von oben verewigt werden. Bei dem vom ORF zwischen 10.00 und 14.00 Uhr live übertragenen "Gruppenfoto" hofft man auf die Beteiligung der Linzer Bevölkerung: Riesentransparente, Menschenketten und "kreativ" gemähte Rasen sollen auf den rund 4.400 von einem Kleinflugzeug in 1.140 Metern Höhe aus geschossenen Bildern aufgenommen werden.
Aber auch ein einfaches Blatt Papier im Format DIN A4 soll bereits auf dem Foto sichtbar sein, das alles aufnimmt, was zu dieser Zeit in Linz unter freiem Himmel passiert.
21. Ausgabe des Prix Ars Electronica
Dazu geht der Prix Ars Electronica in sein 21. Jahr, und das seit drei Jahren existierende Animationsfilmfestival wurde um die Standorte Wien und Kiew erweitert, wo das Programm von heuer zeitgleich präsentiert wird.
Auffällig sei bei den Computeranimationen der "Trend hin zum Kurzfilm", so Schöpf. Etwa beim Gewinner der Goldenen Nica, "Codehunters" von Ben Hibon [CH/GB]. Dazu gibt es eine Ausstellung im Landesmuseum, am 8. September die Linzer Klangwolke, im Lentos ein großes Konzert des Bruckner-Orchesters von Luigi Nono bis hin zu Frank Zappa mit anschließendem Auftritt der Linzer Band Fuckhead sowie eine Unmenge von weiteren Konzerten und Performances.
Die Ars Electronica findet von 5. bis 11. September 2007 in Linz statt. Die Futurezone wird gemeinsam mit Ö1 und FM4 ausführlich vom Festival berichten.
ORF2 berichtet in mehreren Kultursendungen über die Ars Electronica. So wird eine Auswahl der besten digitalen Kurzfilme aus dem Wettbewerb gezeigt.
(futurezone | Patrick Dax | APA)
