Vodafone hat AT&T-Deal verschlafen
Vodafone hat die angestrebte Übernahme der amerikanischen AT&T Wireless nach Informationen der "Financial Times" buchstäblich "verschlafen".
Die britische Vodafone war am Dienstag von der bisherigen Nummer zwei Cingular Wireless überboten worden. Durch den Zeitunterschied zwischen New York und London seien die meisten Vodafone-Chefs schon im Bett gewesen, als Cingular das entscheidende erhöhte Angebot unterbreitet habe, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf einen Informanten aus dem Vodafone-Lager.
Als der Vodafone-Vorstand Dienstagfrüh wach geworden sei, seien Cingular und AT&T schon mit der Vorbereitung einer Pressekonferenz über den abgeschlossenen Deal beschäftigt gewesen.
Vodafone bestritt diese Darstellung allerdings. Es sei schlicht nicht mehr zu verantworten gewesen, das neue Angebot von Cingular noch zu überbieten, hieß es.
AT&T Wireless geht an CingularNeuordnung
Der Kauf von AT&T Wireless durch Cingular Wireless für 41 Milliarden USD dürfte für enorme Bewegung auf dem US-Mobilfunkmarkt sorgen.
Cingular hat mit künftig insgesamt 46 Millionen Kunden nicht nur den bisherigen Branchenführer Verizon Wireless mit 37,5 Millionen Nutzern überholt. Cingular und seine beiden finanzstarken Mütter, die großen Regionaltelefonkonzerne SBC Communications und BellSouth, haben auch Vodafone, den weltgrößten Mobilfunkanbieter, vorerst einmal auf dem US-Mobilfunkmarkt im Abseits gehalten.
Das britische Unternehmen will sich stattdessen auf seine 45-prozentige Beteiligung an Verizon Wireless konzentrieren. Dort spielt die Gesellschaft aber gegenüber der Telefongesellschaft Verizon Communications, die mit 55 Prozent Anteil an Verizon Wireless beteiligt ist, aber nur die zweite Geige.
Vodafone hätte jetzt nur bei einer Übernahme des Gesamtkonzerns Verizon Communications eine Chance, eine führende und von ihr selbst kontrollierte US-Mobilfunkfirma zu erhalten. Das ist aber angesichts des derzeitigen Gesamtwerts der Verizon-Aktien von 108 Milliarden USD und eines notwendigen hohen Aufgelds für eine solche Transaktion ziemlich unwahrscheinlich, selbst wenn anschließend das Festnetz-Geschäft von Verizon Communications verkauft würde.
