Irak versteigert Mobilfunklizenzen

nahost
16.08.2007

Die irakische Regierung versteigert in der jordanischen Hauptstadt Amman drei Mobilfunklizenzen. Das Handy-Business ist einer der wenigen florierenden Geschäftszweige des zerstörten Landes.

Bereits die Tatsache, dass die Auktion für die Lizenzen nicht im Irak selbst, sondern in der jordanischen Hauptstadt Amman stattfindet, zeigt, dass die Regierung derzeit nicht für die Sicherheit ihrer Politiker und Geschäftspartner garantieren kann. Die Auktion hat am Donnerstag begonnen. Die Gewinner sollen am 20. August bekanntgegeben werden.

Festnetz zerstört

Dass sich trotzdem ursprünglich elf Firmen für die Lizenzen beworben haben, zeigt allerdings, dass sich die Branche viel Geld von einem Investment im Irak verspricht. Grundlage für diesen Optimismus ist die Tatsache, dass nur etwa 5,6 Prozent der irakischen Haushalte über einen funktionierenden Festnetzanschluss verfügen.

Die CIA schreibt in ihrem World Fact Book, dass durch den Einsatz der Hilfsorganisation USAID das irakische Telefonsystem nach der Machtübernahme durch die USA im Jahr 2003 nun in besserem Zustand sei als zuvor. Die Anlagen des Festnetzes sind aber bereits im ersten Irak-Krieg schwer beschädigt worden.

Ähnlich desolat ist auch heute noch die Lage in dem immer wieder von Kriegen heimgesuchten Libanon. Dort spielen die beiden staatlichen Mobilfunk-Provider 38 Prozent des Staatshaushaltes ein.

Acht Millionen Mobilfunknutzer

Dafür besaßen, laut offizieller Statistik des Landes, bereits im Jahr 2006 8,7 Millionen Iraker ein Mobiltelefon - bei einer Bevölkerung von knapp 28 Millionen [laut CIA] ein beachtlicher Anteil.

Kurz nach der US-Invasion im Jahr 2003 hatten die Behörden vorläufige Lizenzen an drei Unternehmen ausgegeben: Die ägyptische Orascom, die Mobile Telecommunications Co. aus Kuwait und AsiaCell. Alle drei Unternehmen bieten für die neuen Lizenzen mit, die 15 Jahre halten sollen. Von den anderen neun ursprünglichen Bewerbern sind nur noch der türkische Provider Turkcell und die im kurdischen Teil des Iraks ansässige Korek Telecom übrig geblieben. Der Rest der Bewerber konnte die Kriterien der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers nicht erfüllen, die für den Ablauf der Auktion sorgt.

300 Millionen US-Dollar

Der Mindestpreis für eine Mobilfunklizenz im Irak liegt bei 300 Millionen US-Dollar [222 Millionen Euro] plus 18 Prozent Umsatzbeteiligung für den Staat, wie Kommunikationsminister Mohammed Allawi im Vorfeld der Auktion den Medien mitteilte. Die Gebote sollen in jeder Runde um 50 Millionen US-Dollar steigen. Momentan liegt die Umsatzbeteiligung des Staates bei nur 13 Prozent. Branchenbeobachter glauben, dass die ursprünglichen Mobilfunklizenzen nach der Invasion zu billig vergeben worden sind.

Die irakische Regierung beabsichtigt nun auch, auf den Gewinn der Provider 15 Prozent Steuern zu erheben. Allein die Organisation der Auktion selbst hat die irakische Regierung mehrere Millionen US-Dollar gekostet. Irakische Beamte wiesen Kritik der Medien an dieser Vorgehensweise zurück und sagten, das System diene gerade dazu, Korruption zu verhindern.

Handys dienen im Irak nicht nur zur Kommunikation zwischen Menschen. Kämpfer der irakischen Guerilla nutzen abwechselnd GSM-Handys, Sat-Telefone von Thuraya, Walkie-Talkies und Militärgerät aus der Saddam-Ära als Fernzünder für Bomben.

(Reuters | futurezone)