Kinder loten auch online Grenzen aus

11.08.2007

Laut einer qualitativen EU-Umfrage sind Österreichs Kinder im Netz selbstbewusst unterwegs. Zwar ist sich die Mehrheit der Gefahr durch Viren oder falsche "Freunde" aus dem Chatroom bewusst, abschrecken lassen sie sich davon aber nicht.

Unerschrocken und neugierig, aber auch mit Respekt gehen Kinder an das Medium Internet heran, fand das Meinungsforschungsinstitut Karmasin im Auftrag einer EU-weiten Studie hierzulande heraus.

Dabei wurden Buben und Mädchen in zwei Altersklassen [9-10 und 12-14 Jahre] in Diskussiongruppen um ihre Erfahrungen mit dem jungen Medium befragt.

Kinder reizen Regeln aus

Auffallend ist, dass die Geschlechter schon in jungen Jahren in unterschiedliche Richtungen tendieren: Während die Mädchen eher soziale Kontakte pflegen, bevorzugen Buben Online-Spiele und Downloads.

Gemein ist allen, dass ihnen ihre Eltern zwar Regeln für die Internet-Nutzung auferlegen, je näher die Kinder der Pubertät sind, umso weniger kümmern sie sich allerdings auch darum.

Mögliche Gefahren werden offenbar erkannt oder sind zumindest bekannt und wenn die Kinder mal gar nicht weiter wissen, fragen sie ihre Geschwister, Eltern oder Lehrer.

In Österreich wurden lediglich 36 Buben und Mädchen der beiden Altersgruppen befragt. Daher enthält die Studie nur wenig konkrete Zahlen.

Nutzung wie bei den Erwachsenen

Die Mehrheit der befragten Kinder lernt den Umgang mit dem Netz von den Familienmitgliedern, allen voran Geschwister und Eltern.

Jüngere Kinder nutzen das Internet täglich bis zu einer Stunde, bei der älteren Gruppe der Befragten sind es schon bis zu drei Stunden. Interessant ist, dass die Kinder im Sommer tendentiell eher draußen sind und entsprechend weniger surfen.

Das Internet wird laut Studie von Buben gerne zum Online-Spielen und auch für Downloads benutzt. Mädchen chaten gerne oder schreiben E-Mails. Eine zweite wesentliche Nutzung ist die Recherche zum Erledigen von Hausaufgaben.

Dabei verlassen sich die jüngeren Kinder gerne auf die Infos aus dem Netz, ältere Kinder fragen schon mal eher nach oder haben bereits bemerkt, dass nicht alles, was online ist, auch stimmen muss.

Gefahr Nummer eins: Kontakt zu Fremden

Bei den möglichen Gefahren steht bei den Kindern wie im echten Leben der Kontakt zu Fremden, in dem Fall via Chat, an erster Stelle. Die meisten geben an, dass ihnen ihre Eltern verboten haben, Telefonnummern oder Adressen herzugeben.

Fast alle Kinder hatten schon Kontakt mit pornografischen Inhalten, wobei die älteren Buben naturgemäß eher danach suchen, als ihnen auszuweichen wie die Mädchen, die etwaige Popups einfach wegklicken.

Bei Downloads bestens informiert

Gefragt wurde auch nach den "Gefahren" durch nicht legale Downloads. Während die jüngeren Kinder davon lieber Abstand halten wollen, siegt bei den Älteren die Neugier, vor allem bei den Buben zwischen zwölf und 14 Jahren, die sich auch am besten mit der Technik auskennen. Die älteren Mädchen gaben zudem an, dass nur der Upload ins Netz verboten sei, nicht aber Download.

Informierte Konsumenten

Abschrecken lassen sich die Kinder von all dem laut Studie nicht, je älter sie werden, gehen sie manche Risiken durchaus auch bewusst ein. Fast jedes Kind hat im Netz daher auch schon unangenehme Erfahrgungen gemacht.

Nur bei einem sind sich die Kinder einig: Der Gefahr durch zu hohe Handyrechnungen. Daher nutzt auch kaum ein Kind Internet auf dem Handy, obwohl die Mehrheit der befragten Kinder bereits in jungen Jahren ein eigenes Mobiltelefon besitzt. Auch in Sachen versteckte Kosten durch das Kleingedruckte zeigten sich die Kinder bestens informiert.

Als problematisch und "nicht in Ordnung" stufen die Kinder "bullying", die bewusste Terrorisierung anderer Mitschüler oder Kinder ein, wobei sich die älteren Buben daraus eher ein Spaß machen wollen.

(futurezone | dpa)