07.02.2004

LUNARDATA

Mond als "sicherer" Datenspeicher

Wer seine Daten sicher verwahrt wissen will, soll sie demnächst auf den Mond schießen können.

Das ist zumindest eine der Ideen hinter einem Projekt der Kalifornischen Firma TransOrbital, die im Herbst dieses Jahres das erste kommerzielle Raumschiff Richtung Mond schicken will. An der Landefähigkeit der Raumschiffs wird derzeit jedoch noch gearbeitet.

Vorerst soll das 110 Kilogramm schwere Raumschiff Trailblazer drei Monate lang den Mond umrunden, dabei hochauflösende Bilder und Videos machen und schließlich auf der Mondoberfläche desintegrieren.

Mit dem Verkauf der Aufnahmen will TransOrbital vorerst die Finanzierung des Projekts absichern. Zudem hätten bereits einige tausend Personen sich angemeldet, um Dinge wie beispielsweise Visitenkarten oder Textnachrichten auf die Oberfläche des Mondes zu schicken.

HP-Rechner zur Kommunikation

Interessierte sollen zudem mit dem Raumschiff auf seinem Weg zum Mond über das Web kommunizieren können, ein entsprechender Vertrag mit dem Computerhersteller HP ist bereits unterschrieben.

Über eine Website können Nachrichten an den HP-Computer in der Sonde geschickt werden, die den Erhalt entsprechend quittieren soll.

"Wir würden den Weltraum gerne jedermann zugänglich machen", so der Chef der Firma, Dennis Laurie. Um das Raumschiff vor etwaigen Angriffen zu schützen, sei der HP-Rechner jedoch vom eigentlichen Bordsystem getrennt.

Die Firma hofft die 20 Mio. USD teure Mission im Oktober bzw. November dieses Jahres starten zu können, die Chance liegt laut Angaben bei 80 bis 90 Prozent.

Datensicherung auf dem Mond

In Zukunft sollen auch landefähige Schiffe entwickeln werden, die unbeschädigt auf der Mondoberfläche landen können. Diese könnten dann dafür benutzt werden, um Daten für Kunden von der Erde zu speichern. Solche "extraterrestrischen" Daten seien dann vor Naturkatastrophen auf der Erde geschützt, meint Laurie.

Doch Experten zweifeln an der Realisierbarkeit dieser Pläne. Ein Raumfahrtingenieur der US Air Force Academy meinte, dass gerade die Landung auf dem Mond schwierig sei.

Selbst wenn ein Landegerät diesen Test übersteht, müsste seine Elektronik immer noch die kosmische Strahlung aushalten und seine Energieversorgung die langen, kalten Mondnächte, die zwei Wochen dauern, überstehen.

Kein Zugriff auf extraterrestrische Daten

Die Daten auf dem Mond könnten jedoch, vorerst zumindest, vor Zugriffen von Seiten der terrestrischen Justitia geschützt werden. Doch auch hier erwarten Experten, dass diese Gesetzeslücke bei heftigem Gebrauch alsbald geschlossen wird.