YLine-Masseverwalter zahlt zurück
Sechs Jahre nach der Pleite der Wiener YLine bekommen die Gläubiger des gescheiterten Unternehmens einen Teil ihres Geldes zurück.
Wie Gläubigerkreise den Medien mitteilten, wird der Masseverwalter demnächst eine Zwischenquote ausschütten. Von den anerkannten Forderungen in Höhe von 28,5 Mio. Euro wird er demnach in einem ersten Schritt 6,3 Mio. Euro - das sind 22 Prozent - zurückzahlen.
700.000 Euro aus Betriebsmitteln
Üblicherweise kommt das Geld in Insolvenzverfahren aus dem Verkauf der übrig gebliebenen Betriebsmittel, Waren oder Beteiligungen. Bei YLine hat der Masseverwalter Christof Stapf auf diese Weise nur 700.000 Euro aufgetrieben. Ein Großteil des Geldes, das jetzt verteilt wird, stammt bei YLine vielmehr von ehemaligen Geschäftspartnern, die sich mit dem Masseverwalter verglichen haben, um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden.
In die Masse gezahlt haben etwa Ex-YLine-Chef Werner Böhm selbst und die FPÖ, die rund 580.000 Euro für eine Website nachzahlte. Geld kam laut Gläubigerkreisen aber auch von früheren Sacheinlegern - also Unternehmern, die ihre Firmen seinerzeit gegen neue YLine-Aktien in das Unternehmen einbrachten und nach einem Gutachterstreit mit dem Masseverwalter jetzt einen Teil des damals auf diese Weise entrichteten Kaufpreises zurückerstattet haben. In die Masse gezahlt haben sollen in Folge auch die Versicherungen der Wirtschaftsprüfer, die diese Firmen bei der Einbringung damals zu hoch bewertet haben.
IBM musste zahlen
Der größte Teil der jetzigen Masse - rund 3 Mio. Euro - kamen jedoch vom früheren YLine-Geschäftspartner IBM. Der Weltkonzern hat sich 2005 mit dem Masseverwalter verglichen, worauf dieser im Gegenzug 17,6 Mio. Euro der IBM-Forderungen anerkannt hat - das heißt: Von den 6,3 Mio. Euro, die jetzt an die Gläubiger zurückfließen, gehen rund sechs von zehn Euro wieder an IBM retour.
Anerkannt hat der Masseverwalter darüber hinaus unter anderm auch 2,25 Mio. Euro Forderungen der Wiener Gebietskrankenkasse, 2,2 Mio. Euro vom Finanzamt, 1,9 Mio. Euro des insolventen Telekom-Betreibers Cybertron, 0,5 Mio. Euro von Compaq und 430.000 Euro Forderungen der Dienstnehmer via Insolvenzlastenausgleichsfonds. Auch für sie gibt es zunächst 22 Prozent dieser anerkannten Summen retour.
Noch fünf Verfahren anhängig
In der Masse bleiben nach Ausschüttung der Zwischenquote laut den Gläubigerkreisen vorläufig noch 1,4 Mio. Euro. Wie viel noch dazu kommen könnte, ist noch offen. Fünf Zivilrechtsverfahren sind dem Vernehmen nach beim Handelsgericht noch anhängig. Ein Ende des Insolvenzverfahrens könne damit noch immer nicht abgeschätzt werden, hieß es.
Unklar ist auch noch, wann sich die Beteiligten rund um YLine wegen der Millionenpleite vor dem Strafgericht verantworten werden müssen. Der Masseverwalter hat bereits 2002 eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt. Seither ermittelte die Staatsanwaltschaft - zuletzt unter der Leitung von Georg Krakow, jetzt Chefankläger im BAWAG-Prozess.
BAWAG-Prozess blockiert Staatsanwaltschaft
Wegen des BAWAG-Prozesses ruhen derzeit weiter die YLine-Ermitlungen, hieß es am Donnerstag aus der Staatsanwaltschaft. Danach wird wahrscheinlich auch noch der Betrugsprozess um den Wiener Finanzdienstleister AMIS vorgezogen. Wann der Fall YLine zur Anklage kommt, ist daher noch nicht abschätzbar.
(APA)
