"Die besten Websites der Welt"
Seit zwei Jahren betreut der aus Brasilien stammende Designer Julius Wiedemann beim Kölner Taschen-Verlag den Bereich "digitale Kultur".
Unter Wiedemanns Regie erschienen bis dato etwa die Bücher "Digital Beauties" und "1.000 Game Heroes". Nun hat er ein Buch mit seinen "1.000 Favorite Websites" veröffentlicht.
Das Buch richtet sich primär an Kreative, die es als eine Art Katalog benützen können, in dem vorbildliche Lösungen im Bereich Webdesign vorgestellt und Wege aufgezeigt werden, wie andere Designer an gewisse Problemstellungen bei der Gestaltung von Websites herangehen.
Tausende Screenshots, kaum Text
Im Buch selbst befinden sich, bis auf ein kurzes Vorwort, keine
Begleittexte. Es sind nur Screenshots der vorgestellten Sites zu
sehen, ergänzt durch kleine Icons am unteren Bildrand, die Auskunft
über die Eigenschaften der jeweiligen Site geben. Also etwa: Aus
welchem Land sie kommt, ob sie auf Flash basiert, ob sie Videofiles
oder Sound enthält. Dem Buch liegt eine DVD bei, auf der fünf
Webdesiger im Interview und bei der Arbeit gezeigt werden.
Taschen's 1.000 Favorite WebsitesNachschlagewerk und Zeitkapsel
Trotz des Fehlens von erläuternden Texten gibt Julius Wiedemanns Buch einen guten Überblick über die Darstellungsmöglichkeiten von Information im Web. Die Designansätze der ausgewählten Sites umfassen dabei die ganze Palette von reduziert und minimalistisch bis opulent und experimentell.
Nicht wenige der im Buch vorgestellten Sites haben sich allerdings verändert und sehen heute nicht mehr so aus wie auf den abgedruckten Screenshots. Wiedemanns Buch "1.000 Favorite Websites" ist somit im wahrsten Sinne des Wortes ein Nachschlagewerk und eine Zeitkapsel, in der der Entwicklungsstand von Websites in den Jahren 2002 und 2003 festgehalten ist.
Beispiel für eine innovative Navigationsstruktur
Julius Wiedemann: "Es gibt eine Reihe von Websites, die eine
innovative Navigationsstruktur aufweisen. Die Site des Central Saint
Martin College of Art and Design in England beispielsweise, die eine
völlig horizontale Navigationsstruktur hat. Man startet relativ
simpel, indem man auf einen Menüpunkt klickt und dann bewegt sich
die ganze Site sehr schnell nach links oder nach rechts, wo dann
schwarze Silhouetten und Kästchen erscheinen, die sich beim
Draufklicken in Bilder und Photos verwandeln. Die Site basiert auf
Flash und ist total dynamisch."
Central Saint Martin College of Art and Design"Think global, design local"
Obwohl die Gliederung der 1.000 vorgestellten Websites ausschließlich nach Themen erfolgte, sieht Julius Wiedemann in seinem Buch implizit auch regionale und kulturelle Unterschiede in der Gestaltung von Websites dokumentiert:
"In Skandinavien beispielsweise haben die Websites generell ein sehr sauberes und klares Design, in dem sich die Designkultur in Skandinavien widerspiegelt. Deutsche Websites sind sehr textlastig und es wird sehr viel erklärt. Japanische Sites wiederum verwenden sehr viele kleine Icons in Tiergestalt, was nicht verwundert, es ist ja auch das Land von Pokemon."
Auch österreichische Sites ausgewählt
Auch österreichische Websites werden in Wiedemanns Buch
vorgestellt. Das Architekturzentrum Wien etwa ist mit seiner
Internetpräsenz ebenso vertreten wie das experimentelle Design- und
Architekturbüro "Alles wird gut" und das Austrian Cultural Forum in
New York.
Alles wird gut
Austrian Cultural Forum New YorkJulius Wiedemann im Interview
Die Ö1-Sendung "Matrix" bringt heute ein Gespräch mit Julius
Wiedemann. Er äußert sich darin zu den Auswahlkriterien für sein
Buch "1.000 Favorite Websites" und er nimmt Stellung dazu, wie
Printverlage auf die Herausforderung durch neue Formen des digitalen
Publishing reagieren können.
Zu hören heute um 22:30 Uhr in "Matrix"
