Social Networking mit Dateitausch
Die US-Social-Networking-Plattform Pownce, die derzeit nur auf Einladung zugänglich ist, wartet neben Kurznachrichten auch mit Filesharing-Funktionen auf und könnte sich zum Alptraum für die Unterhaltungsindustrie entwickeln.
"Send stuff to your friends", heißt es in der Kurzbeschreibung zum Social-Networking-Dienst Pownce, der Ende Juni in den USA an den Start gegangen ist.
Nutzer des Dienstes können ihren Freunden und Kontakten, aber auch der breiten Öffentlichkeit Nachrichten, Links und Veranstaltungshinweise zugänglich machen.
Auch Dateitausch möglich
Von anderen einschlägigen Diensten wie Twitter, Jaiku, Facebook, MySpace und dem Mikro-Blogging-Service Tumblr unterscheidet sich Pownce vor allem dadurch, dass sich über die Plattform auch Dateien aller Art austauschen lassen.
Geschützter Bereich
Wer Zugriff auf die Inhalte hat, können die Nutzer selbst bestimmen. Inhalte können entweder einzelnen Personen, ausgewählten Gruppen oder eben allen Besuchern der Plattform zur Verfügung gestellt werden.
"Es ist im Grunde genauso wie E-Mail", schreibt Pownce-Mitbegründer Daniel Burka im Unternehmens-Blog. "Deine Inhalte bleiben so privat, wie du und deine Freunde es wollen."
Prominenter Gründer
Die Macher des neuen Dienstes sind keine Unbekannten. Im Gründerteam scheint auch Kevin Rose auf, der bereits mit der von ihm mitgegründeten Community-Nachrichtenplattform digg und dem Online-Videodienst Revision3 von sich reden machte. Rose zeichnet auch für den nicht nur in den USA populären Technologie-Videopodcast "Diggnation" verantwortlich.
"Songs mit Freunden teilen"
"Du kannst mit deinen Freunden auch Songs, die du selbst aufgenommen hast, teilen", heißt es auf der Pownce-Site. Dass nicht nur selbst eingespielte Stücke ihren Weg auf die Plattform finden, kann angenommen werden.
In der kostenlosen Version ist der File-Upload derzeit auf zehn Megabyte pro File beschränkt. Premium-Nutzer können gegen 20 Dollar im Jahr bis zu 100 MB große Dateien auf die Plattform laden und mit ihren Freunden und Kontakten tauschen.
Das sind zwar vergleichsweise bescheidene Mengen, die Unterhaltungsindustrie hat dennoch Grund zur Sorge.
"Disruptives Potenzial"
Pownce habe ein disruptives Potenzial, schrieb Jason Pontin, Chefredakteur des MIT-Magazins "Technology Review", in einem Gastbeitrag für die "New York Times".
Da Filesharing zu großen Teilen auf öffentlich zugänglichen Seiten stattfinde, könne es auch von den Medienunternehmen überwacht werden. Nutzer oder Angebote, die Urheberrechte verletzen, könnten so ausgeforscht werden. Das sei auf Pownce nicht mehr möglich.
Alptraum für die Unterhaltungsindustrie
"Gerade weil Filesharing auf Pownce begrenzt ist und in geschützten Bereichen stattfindet, kann es von der Musikindustrie nicht kontrolliert werden", ätzte auch ein Autor des Klatsch-Weblogs Valleywag: Pownce sei der schlimmste Alptraum der Tonträgerindustrie.
Verlagerung in nichtöffentliche Bereiche
Zwar bieten auch zahlreiche andere Dienste im Netz geschlossene Bereiche zum Tausch von Dateien an. Die Popularität von Social Networking und die einfache Bedienbarkeit des Dienstes dürften jedoch zu einer Zunahme und einer Verlagerung des vernetzten Tausches von Musik in nichtöffentliche Bereiche führen.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch Pownce-Klone um Kunden buhlen.
Die Dienste Pando, DropSend und YouSendIt bieten etwa die Möglichkeit, große Datenmengen nichtöffentlich auszutauschen, und helfen auch dabei, Attachment-Limits für E-Mails zu umgehen und den File-Transfer via Instant Messaging zu beschleunigen.
Tausch unter Freunden
"Pownce erinnert mich an die Zeit, bevor es Online-Tauschbörsen gab", postete ein Mitglied der Branchen-Mailinglist Pho, in der die Plattform rege diskutiert wird. "Wenn jemand eine CD gekauft hat, hat er sie auch einfach an seine Freunde weitergegeben und mit ihnen darüber geredet."
Bis zu zehn Dollar für Einladungen
Über mangelnden Zuspruch kann sich Pownce jedenfalls nicht beklagen. Einladungen zur Teilnahme an der Online-Community sind begehrt. Auf der Online-Auktionsplattform eBay werden bis zu zehn Dollar dafür geboten.
Wann der Dienst auch öffentlich verfügbar sein soll, ist bisher nicht bekannt. Pownce beantworte derzeit keine Presseanfragen, teilte eine Sprecherin ORF.at am Dienstag mit.
Ähnlich wie beim Social-Networking-Service Twitter können auch bei Pownce Kurznachrichten für Freunde, Kontakte und jeden, den es interessiert, gepostet werden. Diese werden zwar [noch] nicht auf Mobiltelefone weitergeleitet, können jedoch mit Hilfe einer auf Adobe AIR [Adobe Integrated Runtime] basierenden Applikation vom Desktop aus gepostet werden. ORF.at hat im März mit Social-Networking-Experten über den Reiz von Social-Messaging-Diensten wie Twitter gesprochen.
