Aufruhr gegen Microsoft in Chile
Regierungsabkommen mit MS kritisiert
Eine digitale Protestbewegung hat sich in Chile gegen die Regierung formiert. Diese hat am 9. Mai ein umfangreiches Abkommen mit Microsoft über den Einsatz von Software in Staat und Bildungswesen unterzeichnet.
Der Vertrag, dessen Abschluss erst im Juli bekannt wurde, kam ohne öffentliche Ausschreibung, transparentes Verfahren und alternative Angebote zu Stande. Das verärgerte viele Chilenen, die ihren Unmut im Internet äußerten und sich zur "Bewegung der digitalen Befreiung" ["Movimiento de Liberacion Digital"] zusammenschlossen. Mittlerweile machen sie auch außerhalb des Netzes und in den Medien von sich reden.
Mitsprache gefordert
Erklärtes Ziel der Internet-"Befreiungskämpfer" ist eine Rücknahme der Entscheidung der Regierung bezüglich Microsoft. Sie fordern aber auch Mitsprache in Fragen neuer Informationstechnologien.
Die Bewegung "Liberacion Digital" hat allerdings wenig mit Che Guevara oder Hugo Chavez im Sinn. In ihrem Blog schreiben die Demonstranten, sie seien keineswegs gegen Microsoft, sondern vielmehr für freie Software. Sie plädieren für einen freien Markt, in dem es keine derart weit reichenden Abkommen durch die Hintertür mehr geben dürfe, wie es die chilenische Regierung mit Microsoft abgeschlossen habe. Letztendlich würde auch Microsoft von einem kompetitiven Markt profitieren.
Mit dem Abkommen dringt Microsoft in der Tat tief in den chilenischen Staat und seine Ausbildungssysteme vor. Microsoft-Produkte werden in Schule und Verwaltung eingesetzt. Unter anderem soll der Konzern ein Framework für die Web-Dienste der Kommunen gestalten. Im Gegenzug verpflichtet sich Microsoft dazu, ein Innovationszentrum in einer wirtschaftlich schwachen Region zu errichten und mit 100.000 US-Dollar pro Jahr über drei Jahre hinweg vier Entwicklungszentren an chilenischen Universitäten zu unterstützen.
(APA | futurezone)
