20.01.2004

DERZEIT

Warum Viren nicht bösartig sind

Mit dem E-Mail-Wurm "W32.Bagle" hat auch das neue Jahr seinen ersten allgemein als bedrohlich eingestuften Virus "in the Wild".

Obwohl "Bagle" keine offensive Schadensroutine hat, wird er gerade wegen seiner schnellen Verbreitung von den Virenfirmen als gefährlich eingestuft. Trotz der relativ simplen Strickweise seines Begleittextes schaffte es der Wurm, auch im deutschsprachigen Raum ausreichend Systeme für seine schnelle Weiterverbreitung zu infizieren.

Durch seine hohe Verbreitung hätte "Bagle" weitaus mehr Potenzial für Schaden, als er selber auszunützen scheint. Damit stellt sich einmal mehr die Frage nach der Motivation der Virenschreiber.

Immer wieder kommt dabei die These auf, dass die meisten Viren und Würmer von oder im Auftrag von Spammern geschrieben wurden, um E-Mail-Adressen zu sammeln.

Publicity, aber positiv

Doch nicht bei allen Viren reicht diese These für eine allseits befriedigende Erklärung aus. "Sobig.F", der Mitte August aufgetaucht war und ebenfalls Spammer-Werk sein soll, hatte in seinem Code laut Virenexperten ausreichend Potenzial für mehr Schaden, als er tatsächlich angerichtet hat. So legte er vor allem durch seine starke Verbreitung über E-Mail streckenweise E-Mail-Server und Firmennetze lahm.

Damit würde sich die zweite Theorie erklären, die besagt, dass Virenschreiber vor allem auf Publicity aus sind. Um aber anschließend nicht allzu schlecht dazustehen, so die Theorie, fügen sie ihren Viren keine gröbere Schadensfunktion, wie das Löschen von bestimmten Dateien, bei.

Lebensgrundlage Wirtsystem

Das ist auch das Argument für eine weitere Theorie: Sollte ein Virus sein "Wirtsystem" allzu sehr schädigen, entzieht er sich selber die Lebens- und Vermehrungsgrundlage. Das jedoch wird teilweise durch Viren wie "Slammer", der im Jänner letzen Jahres Teile des Netzes schlicht lahm legte, widerlegt.

Bleibt die Theorie vom Ehrenkodex der Virenschreiber. Sie wollen zwar Aufmerksamkeit erregen bzw. testen, ob ihr Werk auch wirklich seinen Weg durchs Netz findet, aber dabei nichts zerstören.

Würmer wie "Mimail", der Accountdaten des Zahlungssystems PayPal sammelt, liefern auch dafür wieder ein Gegenargument.