Warum Viren nicht bösartig sind
Mit dem E-Mail-Wurm "W32.Bagle" hat auch das neue Jahr seinen ersten allgemein als bedrohlich eingestuften Virus "in the Wild".
Obwohl "Bagle" keine offensive Schadensroutine hat, wird er gerade wegen seiner schnellen Verbreitung von den Virenfirmen als gefährlich eingestuft. Trotz der relativ simplen Strickweise seines Begleittextes schaffte es der Wurm, auch im deutschsprachigen Raum ausreichend Systeme für seine schnelle Weiterverbreitung zu infizieren.
Durch seine hohe Verbreitung hätte "Bagle" weitaus mehr Potenzial für Schaden, als er selber auszunützen scheint. Damit stellt sich einmal mehr die Frage nach der Motivation der Virenschreiber.
Immer wieder kommt dabei die These auf, dass die meisten Viren und Würmer von oder im Auftrag von Spammern geschrieben wurden, um E-Mail-Adressen zu sammeln.
"Bagle" durchsucht .htm-, .html-, .wab- und .txt-Dateien nach E-Mail-Adressen, an die er sich verschicken kann. Zudem versucht er von verschiedenen Servern ein Skript herunterzuladen. Weiters öffnet er den Port 6777 und nimmt Kontakt mit dem Virenautor auf. Solang der Port offen ist, kann der Autor auf dem Rechner weitere Funktionen ausführen.
Wurm "Bagle" soll Spammer-Werk seinPublicity, aber positiv
Doch nicht bei allen Viren reicht diese These für eine allseits befriedigende Erklärung aus. "Sobig.F", der Mitte August aufgetaucht war und ebenfalls Spammer-Werk sein soll, hatte in seinem Code laut Virenexperten ausreichend Potenzial für mehr Schaden, als er tatsächlich angerichtet hat. So legte er vor allem durch seine starke Verbreitung über E-Mail streckenweise E-Mail-Server und Firmennetze lahm.
Damit würde sich die zweite Theorie erklären, die besagt, dass Virenschreiber vor allem auf Publicity aus sind. Um aber anschließend nicht allzu schlecht dazustehen, so die Theorie, fügen sie ihren Viren keine gröbere Schadensfunktion, wie das Löschen von bestimmten Dateien, bei.
Gutes "Social Engineering" bei "Sober.c"
Der vor Weihnachten aufgetauchte Wurm "Sober.C" machte vor allem
durch seine gut gemachten Begleittexte von sich reden. So nutzte er
die aktuelle Filesharing-Debatte im deutschen Sprachraum, um sich
mit entsprechenden Betreffzeilen wie "Sie sind ein Raubkopierer" die
nötigen Klicks zu besorgen.
"Sober"-Texte bei IkarusLebensgrundlage Wirtsystem
Das ist auch das Argument für eine weitere Theorie: Sollte ein Virus sein "Wirtsystem" allzu sehr schädigen, entzieht er sich selber die Lebens- und Vermehrungsgrundlage. Das jedoch wird teilweise durch Viren wie "Slammer", der im Jänner letzen Jahres Teile des Netzes schlicht lahm legte, widerlegt.
Bleibt die Theorie vom Ehrenkodex der Virenschreiber. Sie wollen zwar Aufmerksamkeit erregen bzw. testen, ob ihr Werk auch wirklich seinen Weg durchs Netz findet, aber dabei nichts zerstören.
Würmer wie "Mimail", der Accountdaten des Zahlungssystems PayPal sammelt, liefern auch dafür wieder ein Gegenargument.
Der festgenommene Koautor des Wurms "W32.Blaster" scheint das herrschende Klischee über Virus-Urheber voll zu bestätigen: ein bleicher Teenager, der körperlichen Aktivitäten gründlich abgeneigt zu sein scheint. Doch die wenigsten Autoren werden auch wirklich gefasst.
Virenschreiber bleiben Phantome
