Software checkt "Freunde" auf Spam
Soziale Netzwerke wie MySpace und Facebook werden auf Grund ihrer Popularität auch zunehmend Ziel für Spammer. Eine Software des MIT überprüft nun unter anderem anhand von Fotos, ob ein Profil auch wirklich "menschlich" ist.
Spam betrifft nicht nur E-Mails und Foren, auch soziale Netzwerke werden zunehmend von Spammern belästigt, berichtet "New Scientist".
Soziale Netzwerke basieren unter anderem darauf, auch von Unbekannten Einladungen zu erhalten, die möglicherweise dennoch interessant sein können.
Falsche Freunde laden ein
Die Spammer würden nun jedoch eigene und realistisch anmutende Profile erstellen, von dort aus wahllos "Freunde" werben und diese dann einladen, auf ihrem eigenen Profil vorbeizuschauen.
Sind die neuen Freunde bzw. deren Einladung erst einmal akzeptiert, folgt ein Schwall von Werbung für Potenzmittel und anderen nützlichen Dinges des täglichen Alltags in der Inbox des Umworbenen.
Dem könnte nun eine Software des Massachusetts Institute of Technology [MIT], die sich am sozialen Verhalten des Menschen orientiert und die Profile entsprechend auf "Persönlichkeit" bewerten soll, einen Riegel vorschieben.
Die Software bzw. den Algorthmus entwickelt haben die Wissenschaftler Aaron Zinman und Judith Donath. Sie wollen ihre Arbeit unter dem Titel "Is Britney Spears Spam?" im August auf einer Anti-Spam-Konferenz vorstellen.
Dimensionen für Freunde-Spam
Wie bei Spam haben Zinman und Donath nach Möglichkeiten gesucht, unerwünschte Kontakte herauszufiltern. Allerdings konzentrierten sie sich nicht auf den Inhalte der Nachricht, sondern den Sender selbst.
Sie untersuchten dazu 400 Profile und werteten diese nach ihrem Informationsgehalt über die Person dahinter aus, etwa die jeweilige Schule, dargebotene Bilder und YouTube-Videos.
Weiters wurde die Historie der jeweiligen Profile untersucht, also die virtuelle Identität bzw. deren Entwicklung anhand von Nachrichten und anderen öffentlichen Hinweisen - in Summe 40 Dimensionen.
Diese wurden dann in einen Algorithmus verpackt und anhand von weiteren Profilen getestet.
Sie machten dabei vier Prototypen aus:
1) Wenig Geselligkeit, wenig Eigenwerbung: Entweder ein neuer Nutzer oder ein Spammer, der wenig Wert auf Erfolg legt.
2) Wenig Geselligkeit, viel Eigenwerbung: Für die Wissenschaftler ein klassischer Hinweis auf einen Spammer bzw. "Werbetreibenden".
3) Hohe Geselligkeit, wenig Eigenwerbung: Typisch für einen normal sozialorientierten Nutzer mit Bildern von Freunden und deren Kommentaren.
4) Hohe Geselligkeit, viel Eigenwerbung: Laut Untersuchung vor allem bei kleineren Bands und anderen aufstrebenden Gruppen beliebt.
Software fand falsche Freunde
Anhand der Infos aus den Profilen konnte die Software 90 Prozent der Profile passend bewerten, schreiben die Forscher in ihrem Papier.
Nur auf Basis der Netzwerkaktivitäten erreichte sie einen Wert um die 80 Prozent, der allerdings noch verbessert werden könne, indem genauere Infos wie Timestamps für Kommentare herangezogen würden.
Subjektive Wertungen
Kombiniert würden die Ergebnisse nur marginal besser, aber dafür verlässlicher, so die Wissenschaftler, weil auch die Spammer konstant dazulernen und neue Sachen ausprobieren würden.
Allerdings geben sie zu bedenken, dass ihr Experiment auf der Basis von menschlichen Bewertungen, nämlich ihren eigenen, fundiert sei und daher in der jetzigen Form zu subjektiv. Weitere Forschung, sind sie sich jedoch sicher, würde eine Software hervorbringen, die in Zukunft unechte von echten Persönlichkeiten wirklich unterscheiden kann.
Laut jüngsten Zahlen gehört Facebook weiterhin zu den am schnellsten wachsenden Websites der Welt, MySpace hingegen verliert.
