11.01.2004

MATRIX FORUM

"Semantic Computing" in neuem Licht

Im Netz herrscht Sprachverwirrung: Es gibt mehrere Sprachen, verschiedenste Ontologien, Auffassungen über die Bedeutung von Wörtern, und unterschiedliche Datenbanksysteme, in denen die Informationen gespeichert werden.

In den späten 50er Jahren des letzten Jahrhunderts bis Anfang der 70er gab es an der Universität von Illinois ein Institut, an dem Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenkamen, um über Dinge wie Computer-Visualisierung, neuronale Netze, Parallel Computing, Systemtheorie und vieles mehr nachzudenken.

Am Biological Computer Laboratorium, BCL, trafen Menschen mit unterschiedlichstem Vokabular aufeinander. Deren "transdiziplinäres" Arbeiten wurde nur dadurch ermöglicht, indem man sich auf ein neues Vokabular einigte. Und man benötigte so etwas wie eine zentrale Figur, die das Ganze zusammenhielt. In diesem Fall war es Heinz von Foerster, der Leiter des Instituts.

Neue Konventionen für alte Architektur?

Beim "Semantic Web", so Albert Müller, Hüter des Heinz von Foerster Nachlasses am Institut für Zeitgeschichte, geht es um nicht viel mehr als die Schaffung und die Durchsetzung von neuen Konventionen. Ehrgeiz kann man dem Projekt allerdings nicht absprechen, geht es letzendlich doch um die Schaffung einer großen, globalen Datenbank.

Frühere Versuche scheiterten

Auch vor mehr als 40 Jahren hat man sich in der AI Gedanken über Semantic Computing gemacht. "Smart Machines" wie "S.I.R." und "Eliza wurden damals bereits entwickelt. Diese konnten ihren Job zumindest innerhalb einer eingeschränkten Domäne, mit eingeschränktem Vokabular erstaunlich gut erledigen. Auch am BCL hatte man sich Gedanken über Semantic Computing gemacht.

Jedoch versuchte man dort

herauszufinden, was Semantik wirklich bedeutet. Heinz von Foerster wurde dabei auch sehr schnell klar, dass die formale Logik, vereinfacht gesagt die Reduzierung einer Aussage auf wahr oder falsch, nur wenig mit dem menschlichen Gebrauch der Sprache zu tun hat.

"Wir haben das so gesehen, daß jedes Wort,

jeder Begriff so ausschaut wie ein vielfüßiges Element, das nach allen Richtungen seine Konnektivitäten ausstreckt und mit anderen solchen vielfüßigen Elementen in Verbindung bringt. Und die Operationen bestehen darin, neue Verbindungen zu finden, die grammatisch kontrolliert werden und als Sprache herauskommen, aber konzeptuell konnektiert, so daß sie verbunden sind durch eine semantische interne Struktur. Das heißt, jeder Begriff ist für uns ein