11.01.2004

180 GRAD

Lego wird wieder analog

Der dänische Spielwarenkonzern Lego hat diese Woche einen radikalen Kurswechsel angekündigt:

Nach einem Rekordverlust im letzten Jahr wurde die Digitalisierungs-Strategie der letzten Jahre jetzt wieder verworfen, was auch das Ende für die ökonomisch nicht erfolgreichen aber in Bastler- und Hacker-Kreisen extrem beliebten "Mindstorm"-Roboter bedeutet.

Daneben sind aber auch die Lego-Computerspiele und die "MovieMaker"-Sets betroffen. Letztere hatten sich ebenfalls zu einem für den Spielwarenkonzern zweifelhaften Hit in eher erwachsenen Hobbyfilmerkreisen entwickelt.

Auf "grundlegende Produktidee" besinnen

Die zunehmende Konkurrenz von Computerspielen und eine schwache Konjunktur haben Lego nach sehr schwachem Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,4 Mrd. Kronen [174 Mio. Euro] eingebracht.

Bei einer überraschend einberufenen Bilanzpressekonferenz teilte der Sprecher der Eignerfamilie, Kjeld Kirk Kristiansen, am Donnerstag in Billund die sofortige Trennung vom bisherigen Unternehmenschef Poul Plougmann mit. Der Umsatz sank im letzten Jahr um 25,6 Prozent auf 8,5 Mrd. Kronen [1,1 Mrd. Euro].

Legos nach den ersten Verlusten 1998 eingeschlagene Strategie, mit völlig neuen Produkten Wachstum und Gewinne zu sichern, sei fehlgeschlagen, sagte Kristiansen, dessen Familie das Unternehmen gehört. "Wir werden uns jetzt auf unsere grundlegende Produktidee zurück besinnen", ergänzte er.

Plougmann war nach dem ersten Jahr mit roten Zahlen überhaupt seit der Firmengründung 1938 an die Unternehmensspitze geholt worden und hatte Lego seitdem mehrfach wechselnde Sanierungsstrategien mit vielen neuen High-Tech-Spielzeugen verordnet.

Gutes Geschäft mit Bausteinen

Nach Angaben von Kristiansen verlor Lego im letzten Jahr auf einem generell stagnierenden Weltmarkt für Spielwaren Marktanteile an Konkurrenten.

Im Gegensatz zum Umsatzrückgang im Gesamtkonzern habe man bei den Bausteinen als Stammprodukten den Absatz mehr als verdoppeln können. Mit der neuen Führungs- und Produktstruktur strebt Lego für 2004 ein ausgeglichenes Resultat an.

Das bedeutet auch das Ende für das "LEGO & Steven Spielberg MovieMaker"-Set, ein digitales Kamera- und Filmbearbeitungsset, mit dem Kinder und Jugendliche zwischen acht und sechzehn Jahren ihre eigenen Filme drehen und bearbeiten können.

Zwischenzeitlich avancierte das Set allerdings zu einem Hit unter Erwachsenen, was wiederum Lego verärgerte: Statt Cowboy- oder Astronauten-Filmchen aus der heilen Lego-Welt tauchten Streifen mit handfesten sozialen oder abgedreht parodistischen Themen im Netz auf.

Lego im Weltall

Jenseits der Kernzielgruppe am populärsten ist allerdings die Lego-Roboter-Serie "Mindstorms".

Mit den Baukästen können sowohl selbst tätige als auch über eine Infrarot-Schnittstelle ferngesteuerte Robot-Varianten konstruiert und gelenkt werden und diese haben es immerhin bis in den Weltraum gebracht:

Lego rief 2001 den Wettbewerb "Mindstorms goes Space" aus, wobei der Roboter des Gewinners zur Raumstation ISS fliegen durfte.