24.12.2003

DEUTSCHLAND

Modellprojekt zu PCs in Kindergärten

Der Einsatz von Computern im Kindergarten ist unter Experten und Eltern heftig umstritten. In sechs deutschen Kindergärten soll daher jetzt systematisch erforscht werden, wie Computer die Entwicklung von Vorschulkindern beeinflussen.

Darüber gebe es bisher so gut wie keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sagt der Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk [LPR], Prof. Wolfgang Thaenert.

Ziel des auf zwei Jahre angelegten Modellprojekts sei es, herauszufinden, "ob und wie der Computer in die Kindereinrichtung gehört". "Am Ende erwarten wir Ergebnisse, die wir in der Praxis gebrauchen können."

Spass mit der Maus

"Die Kinder sind begeistert. Sie haben das Bedürfnis, mit Computern umzugehen", berichtet Angelika Bauer, Leiterin einer Frankfurter Kindertagesstätte, die an dem Projekt teilnimmt. Die 42 Hort- und 55 Kindergartenkinder sammeln schon seit rund zwei Jahren erste Erfahrungen an Rechnern.

Nun könnten schon Dreijährige mit der Maus umgehen, weil sie sich das von den Älteren abschauen. "Das fördert die Augen-Hand- Koordination", sagt Bauer.

Die anfängliche Sorge, die Kinder könnten zu lange vor dem Computer sitzen, habe sich als unbegründet erwiesen. "Die Kinder steuern sich selbst. Schnell will der nächste dran sein." Länger als maximal 20 Minuten pro Tag arbeite kein Kind an dem Gerät.

Die Eltern hätten zunächst allerdings vielfältige Ängste gehabt, berichtet Bauer. Viele hätten befürchtet, ihre Kinder säßen zu lange starr vor dem Bildschirm und bewegten sich zu wenig. Manche sorgten sich um die Strahlung des Bildschirms.

"Trügerische Geräte-Euphorie"

Medienpädagoge Norbert Neuß von der unabhängigen Einrichtung "Blickwechsel" in Göttingen berichtet dagegen von der Begeisterung vieler Eltern, wenn eine Kindertagesstätte Computer anschafft. Der Erziehungswissenschaftler warnt aber vor einer "trügerischen Geräte-Euphorie": "Es kommt sehr auf die Software und die pädagogische Begleitung an."

"Inwieweit Computer für Vorschulkinder sinnvoll sind, wird heftig diskutiert", sagt der wissenschaftliche Leiter des Modellprojekts, der Hamburger Medienpädagoge Prof. Stefan Aufenanger.

"Erste Erfahrungen zeigen, dass die Kinder vor dem Computer sehr kooperativ und kommunikativ miteinander umgehen und sich gegenseitig helfen." Neuß hat beobachtet, dass die Computer die Selbstständigkeit und die Kommunikation der Kinder untereinander fördern. Computer könnten dazu beitragen, die Kindergärten als Bildungseinrichtungen wahrzunehmen, meint er.