Blogs und Wikis gegen Propaganda
Das vom Autor und Aktivisten John Stauber gegründete Center for Media Democracy will über die Propaganda der Public-Relations-Industrie aufklären. Als Werkzeuge dienen der Non-Profit-Organisation Blogs und Wikis.
Die USA verursachen den höchsten CO2-Ausstoß weltweit - trotzdem haben sie sich jahrzehntelang geweigert, den Klimawandel als Problem anzuerkennen, geschweige denn, etwas dagegen zu tun. Schuld daran ist die PR-Branche, die den US-Amerikanern im Auftrag der Erdöl-, Erdgas- und Kohleindustrie eingeredet hat, dass es den Klimawandel gar nicht gibt.
Das zumindest behauptet John Stauber, Gründer der Non-Profit-Organisation Center for Media and Democracy mit Sitz in Madison, Wisconsin in den USA. Die Kampagne gegen den Klimawandel sei eine der erfolgreichsten und gefährlichsten in der Geschichte der PR gewesen und sei den Proponenten Millionen von Dollar Wert gewesen, so John Stauber.
"Den Klimawandel gibt es nicht"
Der Großteil des Geldes sei an Organisationen wie The Greening Earth Society gegangen, die Umweltforscher anheuern würden, die behaupten, dass es den Klimawandel gar nicht gibt - und falls doch, hätte er nur positive Auswirkungen.
"Ich würde sagen: Der Grund dafür, dass die USA - bis heute - keine konkreten und bedeutenden Schritte gegen den Klimawandel unternommen haben, ist diese massive Propaganda der Kohle- und Erdölindustrie", sagt John Stauber.
Aufklärung über PR-Branche
Der Autor und Aktivist Stauber hat vor 14 Jahren das Center for Media and Democracy gegründet, um die Öffentlichkeit über die Machenschaften der Public-Relations-Branche aufzuklären.
Denn "public relations" - zu Deutsch Öffentlichkeitsarbeit - sei nichts anderes als Propaganda, betont Stauber immer wieder. Edward Bernays, der in den 1920er Jahre das Berufsbild des "public relations counselor" prägte, habe auch ganz klar Propaganda damit gemeint.
Edward Bernays, der ein Neffe von Sigmund Freud war und die Psychoanalyse in den USA bekannt machte, veröffentlichte 1928 sogar ein Buch mit dem Titel "Propaganda". Darin schrieb er, dass die bewusste und intelligente Manipulation der Massen ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft sei.
Massenmedien versagen als Gegenpol
Ein Gegenpol zur Propaganda der PR könnten die Massenmedien sein, doch die würden ihre Rolle als so genannte vierte Gewalt im Staat immer weniger ausüben, so John Stauber.
Die meisten Medien seien in der Hand einiger großer Konzerne, die durch Werbeeinschaltungen anderer großer Konzerne finanziert würden. Die Medienkonzerne zensurierten sich deshalb ständig selbst, um ihre Werbekunden nicht zu provozieren.
Die Journalisten seien zudem ständig überarbeitet und so sei es recht bequem, einfach die Informationen zu übernehmen, die sie von den Public-Relations-Experten bekommen, und diese als Nachrichten zu verkaufen.
Gegenöffentlichkeit im Internet
Medienforscher hätten herausgefunden, dass heute mindestens 40 Prozent der als Nachrichten veröffentlichten Medieninhalte in Wirklichkeit von PR-Kampagnen stammen, erzählt John Stauber. Das Center for Media and Democracy, dessen Geschäftsführer Stauber ist, versucht deshalb, einen Gegenöffentlichkeit zu bilden. Das Internet und seine Werkzeuge hätten diese Aufgabe erleichtert.
Die Aktivisten des Center for Media and Democracy nützen vor allem Blogs und Wikis, um die Öffentlichkeit über Propaganda aus den PR-Büros, die in den Medien oder politischen Entscheidungsgremien landen, aufzuklären. Über Newssearch von Google oder andere Blogs und Websites erreichen diese Informationen dann eine breitere Öffentlichkeit.
Aber natürlich würden auch die PR-Leute Blogs, YouTube und andere Plattformen für ihre Propaganda nützen. Deshalb würden sie es als ihre wichtigste Aufgabe ansehen, den Menschen zu helfen, Informationen kritisch zu betrachten und einschätzen zu können, welche Informationen man trauen könne, sagt Stauber.
Vor kurzem ist die deutsche Übersetzung des Buchs "Toxic Sludge Is Good For You!" von John Stauber und Sheldon Rampton erschienen unter dem Titel: Giftmüll macht schlank. Medienprofis, Spin Doctors, PR-Wizards. Die Wahrheit über die Public Relations Industrie. Verlag orange press, Freiburg 2006
(matrix | Sonja Bettel)
