TU Wien

Spielerische Texteingabe trotz Controller

02.07.2007

Die Texteingabe mit einem Game-Controller ist oft eine mühsame Sache. An der TU Wien wurde mit TwoStick ein System entwickelt, bei dem jeder Buchstabe mit maximal zwei Bewegungen ausgewählt wird. Das System macht sogar Spaß.

Die Texteingabe auf Spielekonsolen und deren Controllern zählt nicht gerade zur bedienerfreundlichsten Anwendung: Meist müssen die Buchstaben auf einer virtuellen Tastatur ausgewählt werden, wobei für die einzelnen Buchstaben mitunter ganz schöne Wegstrecken zurückgelegt werden müssen.

Schneller geht es mit TwoStick, auch wenn das System auf den ersten Blick etwas kompliziert erscheint:

Aufteilung a la Sudoku

Das System besteht aus neun Quadraten, die jeweils wieder in neun Quadrate unterteilt sind. Die Mitte jedes Quadrates ist frei, das ist der Angel- bzw. Ausgangspunkt.

Mit dem linken Stick wählt man eines der großen neun Quadrate aus, mit dem rechten ebendort den gewünschten Buchstaben.

Lässt man den jeweiligen Stick los, springt der Cursor automatisch auf die eigentliche Ausgangsposition in die Mitte des Quadrats zurück - um einen Buchstaben auszuwählen braucht es somit maximal zwei Bewegungen.

Für das Wort futurezone sind bei Twostick somit 16 Bewegungen nötig - vorausgesetzt man verschreibt sich nicht, was sich am Anfang kaum vermeiden lässt.

Einstieg gewöhnungsbedürftig

Bei einem Selbsttest bei der Forschungsgruppe für Industrielle Software der TU Wien [INSO] zeigte sich der Einstieg in TwoStick am Anfang gewöhnungsbedürftig. Es braucht einige Zeit, bis man sich einen Überblick über die Anordnung der Buchstaben verschafft hat und auch die Koordination will geübt sein.

Steigt man aber im Anschluss zum Vergleich auf die gewohnte Qwerty-Tastatur zurück und versucht man dort denselben Text mit den zwei Joysticks zu schreiben, merkt man erst, wie mühselig eine Texteingabe auf einer Spielkonsole derzeit wirklich ist. Nutzt man dann wieder TwoStick, macht die Texteingabe fast schon Spaß - ein ungewohntes Gefühl.

"Qwerty ist unökonomisch"

"Die Tastenbelegung einer Qwerty-Tastatur ist alles andere als ökonomisch", erklärt Thomas Költringer, der TwoStick im Rahmen seiner Dissertation entwickelt hat. Die am häufigsten zusammen genutzten Tasten lägen bei dieser Anordnung am weitesten auseinander, sodass die Nutzer selbst bei häufigen Üben beim Tippen nicht schneller würden.

Bei TwoStick hingegen habe eine Untersuchung gezeigt, dass eine Steigerung der Geschwindigkeit sehr wohl möglich sei.

Auch gaben die Probanden der Studie an, bei TwoStick mehr Spaß zu haben - wohl auch wegen der Herausforderung und dem fast schon spielerischen Zugang.

Am Anfang sei ein Nutzer von TwoStick zwar langsamer als mit Qwerty, am Ende jedoch schneller, habe die Untersuchung gezeigt, so Költringer.

"Hübsche, reine Forschung, die Spaß macht"

Vermarkten will die TU Wien das System bisher nicht - "Das ist hübsche, reine Forschung, die Spaß macht", erklärt dazu Költringers Doktorvater Thomas Grechenig.

Zudem sei das System noch nicht vollständig optimiert, meint Költringer: "Wenn man die Quadrate ein wenig schief stellt, kann man die Fehlerquote noch weiter senken, weil man der natürlichen Bewegung des Daumens damit näher kommt." Bereits jetzt sei die Fehlerquote von TwoStick im Vergleich zu Qwerty jedoch nahezu gleich groß.

Implementierung kein Problem

Eine Implementierung des Systems in bestehende Konsolen sei jedoch kein Problem, jeder Hersteller habe die Möglichkeit, seine Konsolensoftware upzudaten und damit auch TwoStick einzuführen.

TwoStick sei aber nur eine von verschiedenen Möglichkeit, die Eingabe von Texten in den Rechner zu vereinfachen, erklärt Grechenig.

Match um Texteingabe

Welche Texteingabe in Zukunft in welchem Umfeld [Auto, Handy, Gaming] die Oberhand gewinnen wird - die Eingabe per Sprache oder durch händische Bedienung -, sei noch nicht abschätzbar, sagt Grechenig: "Heute und in den kommenden 20 Jahren gibt es da ein spannendes Match" - mit offenem Ausgang.

(futurezone | Nadja Igler)