Deutscher hat Telefon vor Bell erfunden
Der deutsche Physiklehrer Johann Philipp Reis hat wirklich das Telefon erfunden - und nicht Alexander Graham Bell, dem die wegweisende Technik zugeschrieben wird.
Im Londoner Wissenschaftsmuseum tauchten nun Dokumente auf, denen zufolge bereits die ab 1861 von Reis gebauten "Telephone" funktionierten und nicht erst Bells 1876 patentierte Apparate.
Demnach testete das britische Unternehmen Standard Telephones and Cables [STC] Reis' Telefone bereits 1947 erfolgreich. Die Ergebnisse wurden damals aber aus firmenpolitischen Gründen nicht veröffentlicht, um einen Vertrag mit dem von Bell gegründeten US-Konzern ATT nicht zu gefährden.
"Philipp Reis hat einen 'sprechenden Apparat' vor Bell erfunden und mindestens 13 Prototypen gebaut", sagte der Kurator des Londoner Museums, John Liffen. Der 1874 im Alter von 40 Jahren gestorbene Gelnhausener habe seine Erfindung aber nicht weiterentwickelt. "Das Telefon von Reis ist vielleicht zu früh gekommen, drei Jahre vor dem transatlantischen Telegrafen, und es kann sein, dass Reis auch an mangelndem Interesse von Investoren gelitten hat - anders als Graham Bell", sagte Liffen.
Philipp ReisFirmenraison
An Reis' im Londoner Wissenschaftsmuseum ausgestellten ersten Geräten zur Übertragung von Tönen durch elektromagnetische Wellen nahmen die STC-Techniker für ihre Tests 1947 kleinere Verbesserungen vor.
Nach Liffens Angaben hatte sein Vorgänger im Museum, Gerald Garatt, die Akten über die Versuche von 1947 unter der Maßgabe anvertraut bekommen, ihren Inhalt nicht ohne Zustimmung des Unternehmens zu veröffentlichen.
Diese Zurückhaltung sei in den laufenden Verhandlungen über eine Zusammenarbeit zwischen STC und ATT begründet, notierte Garatt damals: Diesem Ziel werde nicht mit Berichten gedient, dass Graham Bell das Telefon nicht erfunden habe.
