ICommons sucht neue Geschäftsmodelle

24.06.2007

Das alternative Lizenzmodell "Creative Commons" und viele andere Bewegungen zum Schutz und zur Förderung des digitalen Gemeinguts sind auf der Suche nach Alternativen, nach einer Kultur, die das Teilen in den Mittelpunkt stellt.

"Wir befinden uns inmitten einer technologischen, ökonomischen und organisatorischen Transformation, die uns erlaubt, die Bedingungen für Freiheit, Gerechtigkeit und Produktivität neu zu verhandeln."

Das schreibt der Harvard-Rechtsprofessor Yochai Benkler in seinem Buch "The Wealth of Networks". Benkler war einer der prominenten Vortragenden beim iCommons Summit 2007 in Dubrovnik, der von 15. bis 17. Juni stattgefunden hat.

Neben zahlreichen Vorträgen und Diskussionen über rechtliche, soziale, technische und ökonomische Voraussetzungen dieser Transformation standen vor allem konkrete Projekte im Mittelpunkt des internationalen Treffens.

Die Entstehung von iCommons

ICommons ist aus Creative Commons entstanden, der Bewegung für flexiblere Lizenzmodelle für kreative Werke. Creative Commons wurde im Jahr 2001 in den USA gegründet und verbreitete sich sehr rasch in viele andere Länder. Mit der Zeit wurde immer klarer, dass die Unterstützer von Creative Commons, ihre Vorbilder aus der Bewegung für freie Software und viele andere Gruppen einiges gemeinsam haben.

ICommons als Dachorganisation

Deshalb wurde die Dachorganisation iCommons gegründet, die den Austausch von Erfahrungen und Ideen ermöglichen und dafür sorgen soll, dass alle an einem Strang ziehen, die sich für freie Kultur, freie Software, den freien Zugang zu Wissen und Bildung und ein offenes, demokratisches Internet einsetzen.

Hochrangige Gäste

Der iCommons-Summit wird seit drei Jahren jeweils in einem anderen Land abgehalten, heuer war die alte Festung in Dubrovnik in Kroatien Ziel der rund 300 Teilnehmer aus aller Welt.

Lawrence Lessig, der Gründer von Creative Commons, Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia, der Internet-Entrepreneur Joi Ito, Cory Ondrejka von Linden Lab, Samuli und Stephen Lee von den Starwreck-Studios, Lawrence Liang und viele mehr waren gekommen.

Themen der Vorträge und Diskussionen waren unter anderem: die Zukunft der Creative Commons Lizenzen, die Bedeutung der Piraterie für weltweite freie Kultur, die Zusammenarbeit für offene Bildung und die Produktion von lizenzfreien Lehrbüchern oder Zusammenarbeit in Second Life.

Neue Strategien und Modelle

Immer wieder hieß es, dass neue Strategien und neue Geschäftsmodelle für die Produktion und die Verbreitung kreativer Werke nötig seien. Einige Teilnehmer des iCommons Summit stellten sogar schon erste Versuche dieser neuen Modelle vor.

Dominick Chen von Creative Commons Japan sowie Isshu Rakusai und Ken Suzuki von der japanischen Firma Nota zum Beispiel präsentierten in einem Workshop das Projekt C-Shirt.

Mit der eigens dafür entwickelten Software "Ximer" [sprich: simmer], was einfach für "remix" von hinten gelesen steht, kann man mit Fotos aus Flickr, Texten aus Wikipedia und anderen frei verfügbaren, Creative Commons-lizenzierten Werken ein ganz persönliches T-Shirt gestalten und sofort bestellen.

Laurent Kratz, Gründer von Jamendo.com, stellte vor, wie die französische Firma eMule und andere Musiktauschbörsen nutzt, um Bands zu bewerben.

Und jeden Abend konnten die Teilnehmer des Summit Livemusik von kroatischen Bands hören, die dank des freien Plattenlabels EgoBooBits bekannt geworden sind und damit Aufträge und Konzertverträge erhalten.

(matrix | Sonja Bettel)