01.12.2003

VERMESSEN

Die Geometer des Datenuniversums

Wenn Cybergeografen das Internet erforschen und Karten des Netzwerks anfertigen, sieht die Erde erstaunlich bunt aus.

Ein Open-Source-Projekt, das sich die umfassende grafische Darstellung des Internets zum Ziel genommen hat, hat nun erste beeindruckende Bilder veröffentlicht.

Da andere Vorhaben wie etwas das längst eingestellte "Internet Mapping Project" oft Monate für die Visualisierung brauchten, startete Barrett Lyon das Open-Source-Projekt "Opte" mit einer Wette.

Er behauptete, ein Programm, das binnen eines Tages unter Benutzung nur eines Rechners eine Karte des Internets anfertigt, erstellen zu können.

Zeigt Wachstum und Unterversorgung an

Lyons Software rationalisiert diesen Prozess in dem es nur "Class C"-Netzwerke aufzeichnet.

Das Internet besteht zwar offensichtlich nicht nur aus Class C Netzwerken, Lyon teilt den gesamten IP-Adressbereich jedoch in Class C Netzwerke ein, was eine umfassende örtliche Zuordnung möglich macht.

Die Software schafft 194 Tracerouteabfragen pro Sekunde, rechnet man dies hoch, kann man laut Lyon in einem Tag das gesamte Internet scannen.

Lyon sieht in dem Projekt vielerlei Nutzen: "In erster Linie ist es Kunst." Weiters geben die Karten einen Überblick über das Wachstum des Internets oder noch unterversorgte Bereiche.

Der Vergleich aktueller mit älteren Karten macht zudem sofort das Ausmaß von Zerstörungen wie etwa Kriegen oder Naturkatastrophen sichtbar, da stets auch Rechner in Bereichen des Netzes ausfallen.

Verteilte Client/Server-Version

"Lyon hat es einfach automatisiert," so Steve Coast, Netzwerk-Forscher am University College London. Es sei jedoch sehr unwahrscheinlich, dass er damit jede Verbindung erkennen kann.

"Er geht bei der Kartografie von nur einem Ausgangspunkt aus, was bedeutet, dass er naturgemäß Anfragen, die diesen Punkt nicht durchlaufen, auch nicht erfassen kann."

Lyon arbeitet derzeit an einer verteilten Client/Server-Version seiner Software, die mehrere Ausgangspunkte miteinbezieht und so auch feinste Verästelungen im Netz darstellen kann - bishin zur Lokalisierung der eigenen IP-Adresse im gesamten IP-Bereich.