Yahoo Deutschland ändert Flickr-Filter

21.06.2007

Nach Zensur-Protesten in Deutschland schraubt Yahoo an den Filterfunktionen seines Fotodiensts Flickr herum. Unterdessen startet das schwedische Piratebay-Umfeld ein eigenes "Anti-Flickr" ohne Zensur.

Yahoo hat nach heftigen Protesten deutscher Nutzer die Sperrungen bei der deutschen Version der Fototauschbörse Flickr teilweise wieder gelockert.

Die von den Nutzern kritisierten Beschränkungen seien lediglich "auf Grund der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland" erfolgt, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens am Donnerstag. Yahoo bezieht sich dabei unter anderem auf den deutschen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, der keine öffentliche Darstellung jugendgefährdender Inhalte erlaube.

User-generated Censorship?

Die Nutzer von Flickr müssen seit dem Start der internationalen Version die von ihnen eingestellten Bilder in die Kategorien "unbedenklich", "mittel" und "eingeschränkt" einstufen. In einigen Ländern, darunter auch Deutschland, konnten die User sich nur noch als "unbedenklich" markierte Bilder anzeigen lassen.

Gegen diese Änderung hagelte es heftige Proteste deutscher Flickr-Nutzer. Yahoo lässt nun auch zu, dass als "mittel" eingestufte Bilder angezeigt werden können. Die empörten Flickr-User dürften mit dieser kleinen Konzession an ihre Forderungen aber kaum zu beruhigen sein.

Yahoo weist die Anschuldigungen seiner User, das Unternehmen betreibe damit Zensur, heftig zurück. Man versuche nur, sich an die gesetzlichen Bestimmungen zu halten.

"Technische Möglichkeiten"

Bilder, die aus rechtlichen Gründen für Kinder und Jugendliche nicht geeignet seien, müssten der Kategorie "eingeschränkt" zugeordnet werden. Sie seien weiterhin nur für den persönlichen Gebrauch vorgesehen und dürften auf Flickr nicht anderen Usern gezeigt werden. Yahoo suche aber nach technischen Möglichkeiten unter anderem zur Verifizierung des Alters, um den Nutzern auch den Tausch als "eingeschränkt" eingestufter Bilder zu ermöglichen, hieß es weiter.

Yahoo war vor etwa einer Woche mit der deutschen Version seiner populären Fototauschbörse an den Start gegangen. Die im März 2005 von Yahoo übernommene Plattform hat nach Angaben des Unternehmens über vier Millionen Nutzer. Insgesamt werden dort mehr als 240 Millionen Bilder bereitgestellt.

Bayimg

Programmierer aus dem Umfeld der schwedischen Torrent-Tracker-Site The Pirate Bay sind unterdessen mit einem eigenen Bild-Hosting-Dienst namens Bayimg ans Netz gegangen, auf dem es keinerlei Zensur geben soll.

Der Dienst sieht bisher noch recht simpel aus. Es gibt ein einfaches Interface, über das Bilder hochgeladen und mit Tags versehen werden können. Ausserdem ist es den Usern möglich, einen Code einzugeben, mit dem Bilder wieder aus dem System gelöscht werden können. Bisher ist Bayimg allerdings eher ein politisches Statement als eine ernstzunehmende Konkurrenz für Flickr.

(dpa | futurezone)