MIT-Borglab entwickelt "Gedächtnisbrille"
Der Knopf im Taschentuch als Erinnerungsstütze soll in Zukunft der Vergangenheit angehören, wenn es nach einem Projekt des MIT [Massachusetts Institut of Technology] geht.
Richard W. DeVaul und seine Kollegen entwickelte dazu die "Memory Glasses", die vor die Brillengläser aufgesteckt werden und den Träger an Termine oder andere wichtige Informationen erinnern sollen.
Die Informationen werden nur sehr kurz angezeigt, um den Träger nicht zu stören, aber nach Angaben ausreichend lang, um sich im Unterbewusstsein festzusetzen. Die Infos werden von drei kleinen Rechner, die in einer Weste integriert sind, bereitgestellt. Als Betriebssystem kommt Linux zum Einsatz.
Die Gläser sind Teil des "MIThril"-Projekts, das vom "Borglab" des MIT entwickelt wurde. Das Borglab erforscht den Einsatz von Computern in Kleidung, die den Alltag erleichtern sollen.
MIThrilKontext- und Standortbezogen
Das System soll in Zukunft die Informationen auch Standortabhängig bereitstellen können bzw. Kontext-abhängig. Mithilfe von Sensoren und GPS soll das System erkennen wo sich der User gerade befindet und die angebrachten Infos bereitstellen.
Das System könnte auch dahingehend programmiert werden, den Träger an unerledigte Diskussionspunkte zu erinnern, wenn er eine bestimmte Person trifft oder beim Betreten eines Videogeschäfts die Liste der Wunschfilme in Gedächtnis rufen.
Unterbewusste Botschaften seien sicherer, so DeVaul. Pop-up-Nachrichten könnten den Träger bei wichtigen Tätigkeiten, wie das Überqueren einer Straße beeinträchtigen, so DeVaul. In einem Versuch mit 28 Testpersonen konnte mit dem System das Erinnerungsvermögen an Namen und Gesichter substantiell verbessert werden, so DeVaul.
Daniel L. Schacter, Psychologieprofessor an der US-Universität Harvard, bezweifelt jedoch die Macht der unterbewussten Botschaften. Zudem müsste noch getestet werden, wieviel reeller Nutzen diese Art der Benachrichtigung im Alltag bringen kann. DeVaul gibt Schacter in seiner Skespis Recht. Das System unterscheide sich jedoch von jenem, das in der Werbung angewendet wird, dadurch, dass hierbei die Erinnerung an bereits gespeicherte Daten aufgefrischt wird.
Weitere Projekte des MIT Borglab
