Orbitale Flaschenpost startet 2006
Französische Forscher wollen im Jahr 2006 einen Weltraumsatelliten, gefüllt mit möglichst vielen Nachrichten von Menschen aus dem 21. Jahrhundert, mit einer Ariane-Trägerrakete in eine Erd-Umlaufbahn in etwa 1.800 Kilometer Höhe bringen.
50.000 Jahre später soll der 200 Kilogramm schwere Satellit wieder auf die Erde zurückkehren - als Botschafter aus der Vergangenheit.
Das berechnete Zusammenwirken von Ballistik, Anziehungskraft von Mond und Erde, Sonnenwind-Druck und Bremswirkung der Atmosphäre soll die Rückkehr des Kleinsatelliten ohne eigene Energiequelle möglich machen.
Start verschoben
Der Initiator des bereits 1999 gestarteten "KEO"-Projekts ist der
französische Künstler und Geophysiker Jean-Marc Philippe.
Ursprünglich sollte der Satellit bereits Ende 2003 in den Weltraum
befördert werden. "Jeder Mensch kann uns eine Botschaft schicken,
die wir für die Nachwelt konservieren", erklärt Philippe.
Satellit als Briefkasten der MenschheitZeichnungen zur Erklärung
Wissenschafter aller Fachrichtungen waren von Philippes Projekt begeistert. Die UNESCO wählte KEO zum "Vorhaben für das 21. Jahrhundert". Namhafte Raumfahrttechniker, Historiker und Philosophen arbeiten ehrenamtlich für KEO.
Sie haben Schutzhüllen entwickelt, die den kugelförmigen Satelliten vor Weltraumstaub und den Folgen seines Aufpralls bei seiner Rückkehr auf die Erde schützen.
Ganz spezielle Glasplatten sorgen dafür, dass die digitalen Botschaften die 50.000 Jahre lange Reise durch Raum und Zeit unbeschadet überstehen.
Zeichnungen, die Archäologen als universell, zeitlos und verständlich einstufen, sollen erklären, wie man die Informationen abruft.
Eigene Nachricht verfassen
Die Nachrichten dürfen eine maximale Länge von 6.000 Zeichen
[circa vier DIN-A4 Seiten] haben und unzensuriert an Bord des
Satelliten. Die Angabe seines Namens ist freiwillig, das Ausfüllen
von Geschlecht, Geburtsdatum, Herkunftsland und Sprache soll den
Nachfahren ein bisschen vom Sender verraten.
Eigene Message sendenGold, Diamanten und Erde
"Falls das nicht klappt, gibt es zusätzlich Geschenke zum Anfassen", erläutert der Initiator: "Einen Diamanten, ein Stückchen Gold, fruchtbare Erde und eine Sternstundenuhr, auf der man ablesen kann, wann wir KEO losgeschickt haben."
Nahezu eine Million Nachrichten aus gut 200 Ländern und in mehr als 80 Sprachen sind schon per Post oder E-Mail bei der KEO-Zentrale in Paris eingegangen. Sobald der Satellit die Erde umkreist, werden alle Nachrichten anonymisiert und im Internet veröffentlicht.
Philippe weiß genau, dass man das Entschlüsseln hier und jetzt nicht planen kann: "Ob unsere Nachfahren einen Tag oder 1.000 Jahre zum Lesen brauchen - wir wissen es nicht."
