29.11.2003

ZEITKAPSEL

Orbitale Flaschenpost startet 2006

Französische Forscher wollen im Jahr 2006 einen Weltraumsatelliten, gefüllt mit möglichst vielen Nachrichten von Menschen aus dem 21. Jahrhundert, mit einer Ariane-Trägerrakete in eine Erd-Umlaufbahn in etwa 1.800 Kilometer Höhe bringen.

50.000 Jahre später soll der 200 Kilogramm schwere Satellit wieder auf die Erde zurückkehren - als Botschafter aus der Vergangenheit.

Das berechnete Zusammenwirken von Ballistik, Anziehungskraft von Mond und Erde, Sonnenwind-Druck und Bremswirkung der Atmosphäre soll die Rückkehr des Kleinsatelliten ohne eigene Energiequelle möglich machen.

Zeichnungen zur Erklärung

Wissenschafter aller Fachrichtungen waren von Philippes Projekt begeistert. Die UNESCO wählte KEO zum "Vorhaben für das 21. Jahrhundert". Namhafte Raumfahrttechniker, Historiker und Philosophen arbeiten ehrenamtlich für KEO.

Sie haben Schutzhüllen entwickelt, die den kugelförmigen Satelliten vor Weltraumstaub und den Folgen seines Aufpralls bei seiner Rückkehr auf die Erde schützen.

Ganz spezielle Glasplatten sorgen dafür, dass die digitalen Botschaften die 50.000 Jahre lange Reise durch Raum und Zeit unbeschadet überstehen.

Zeichnungen, die Archäologen als universell, zeitlos und verständlich einstufen, sollen erklären, wie man die Informationen abruft.

Gold, Diamanten und Erde

"Falls das nicht klappt, gibt es zusätzlich Geschenke zum Anfassen", erläutert der Initiator: "Einen Diamanten, ein Stückchen Gold, fruchtbare Erde und eine Sternstundenuhr, auf der man ablesen kann, wann wir KEO losgeschickt haben."

Nahezu eine Million Nachrichten aus gut 200 Ländern und in mehr als 80 Sprachen sind schon per Post oder E-Mail bei der KEO-Zentrale in Paris eingegangen. Sobald der Satellit die Erde umkreist, werden alle Nachrichten anonymisiert und im Internet veröffentlicht.

Philippe weiß genau, dass man das Entschlüsseln hier und jetzt nicht planen kann: "Ob unsere Nachfahren einen Tag oder 1.000 Jahre zum Lesen brauchen - wir wissen es nicht."