28.11.2003

DEUTSCHLAND

Funkwecker geben Katastrophenalarm

Wenn deutsche Wecker in der Nacht plötzlich ungewöhnlich piepen und gleichzeitig auch noch die Armbanduhr anfängt zu tuten, muss das kein Bedienungsfehler sein. Es könnte auch darauf hindeuten, dass man besser nicht einfach den Alarm abstellen und weiterschlafen sollte - weil nämlich Katastrophenalarm ist.

Seit Anfang Oktober erprobt die Zentralstelle für Zivilschutz [ZfZ] in einem bundesweiten Feldversuch, ob sich Funkuhren und Funkwecker zur Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall eignen.

Für den Feldversuch wurden nach Angaben der ZfZ zunächst rund 900 Testuhren mit einer speziellen Software ausgestattet, sodass sie die digitalisierte Alarmmeldung eines Langwellensenders empfangen können. Der Sender steht im hessischen Mainflingen.

Alarm-Alternative

Hintergrund des Feldversuchs ist, dass die herkömmlichen Sirenensysteme zur Bevölkerungswarnung in Deutschland schon vor Jahren stillgelegt wurden. An ihre Stelle treten im Ernstfall über die Medien verbreitete Warnmeldungen.

Diese werden über die Hamburger Datenübermittlungsfirma Mecom flächendeckend per Satellit an die Radio- und Fernsehsender sowie Nachrichtenagenturen übermittelt.

Zusätzlich suchen die Katastrophenschützer aber nach einer Möglichkeit, auch die einzelnen Menschen direkt auf drohende Gefahren hinzuweisen. Eine im Jahr 2000 vorgelegte Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums schlug unter anderem vor, die Funkuhren zur Alarmierung zu benutzen, weil sie inzwischen in sehr vielen Haushalten vorhanden sind. Deshalb soll die Mecom künftig ihre Warnmeldungen zeitgleich auch an den Langwellensender schicken.

Anders als die früher genutzten Sirenen mit ihren unterschiedlichen Tonfolgen ist der Alarm per Funkuhr zunächst nur als Hinweissignal gedacht und soll keine Information über den Hintergrund des Alarms übermitteln. Die Uhren werden daher im Alarmfall stets den gleichen Signalton verbreiten. Um zu erfahren, was genau passiert ist, müssten die Bürger das Radio oder den Fernseher anstellen.

Erprobt wird auch, den Alarm gezielt nur auf Funkuhren in betroffene Regionen zu senden. Je nach Gefahrenlage, ob allgemeiner kriegerischer Angriff oder lokal begrenzter Chemieunfall, wären dann bundesweite oder landesweite sowie Alarme nur auf Kreisebene möglich.