Datenübertragung per Funk
Lästige Kabel im Büro sollen bald der Vergangenheit angehören. Der Arbeitsplatz der Zukunft ist nach Ansicht der Experten drahtlos und mobil. "Bluetooth" heißt das Zauberwort, mit dem Daten zwischen PC, Handy und Drucker einfacher und schneller per Funk übertragen werden. "Der Kabelsalat hat bald ein Ende. Das Büro der Zukunft wird sich mit der neuen Technik radikal verändern", sagt Jörg Gleisner vom Telekommunikations-Unternehmen Ericsson auf der Computermesse CeBIT in Hannover.
Vor allem der boomende Markt mit mobilen Geräten wie Laptops, handflächengroßen Computern und internetfähigen Handys profitiert von der neuen Datenfunktechnik. Auf eine Entfernung von bis zu zehn Metern können die Geräte ein persönliches Netzwerk aufbauen und auch durch Wände miteinander kommunizieren.
"Ihr Laptop ruft das Handy an, wenn eine E-Mail angekommen ist. Sie können die Nachricht sofort lesen und im Nebenzimmer ausdrucken", erklärt Marco Principato, "Bluetooth"-Produktmanager bei Siemens. Im Höchstfall können 127 Geräte miteinander verbunden werden.
SiemensDer neue Übertragungsstandard wurde von führenden Unternehmen der Computerbrache wie IBM, Toshiba und Ericsson gemeinsam entwickelt. In der "Special Interest Group" [SIG] für die Vermarktung von "Bluetooth" sind inzwischen 1.500 Firmen aus der Computer-, Telekommunikations- und Softwarebranche, darunter Ericsson, Intel, Toshiba, Microsoft und Siemens, vertreten.
Im Gegensatz zur Infrarot-Übertragung wie in Fernbedienungen für Fernseher ist bei der neuen Technik keine unmittelbare Nähe zwischen den Geräten nötig. Ericsson baut vor allem auf die Vielfältigkeit von "Bluetooth".
"Sie können also mit dem Handy aus der Küche die Lautstärke beim Fernseher regulieren oder vom Arbeitszimmer die Waschmaschine einschalten", erklärt Gleisner. Ein Mobiltelefon könne zur Fernbedienung für alle Elektrogeräte werden.
Die schwedische Firma C Technologie stellte eine "Bluetooth"-Computermaus vor, die Texte einscannen kann und direkt auf den PC-Bildschirm überträgt. Siemens zeigt auf der CeBIT ein Handy, mit dem die Nutzer an Fahrkartenautomaten nicht nur Tickets kaufen, sondern auch Restaurants suchen und U-Bahn-Verbindungen abfragen können.
CeBITAllerdings funktioniert die Technik bisher nur auf eine Entfernung von bis zu zehn Metern. Außerdem sollen die ersten "Bluetooth"-fähigen Geräte voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr 2000 in den Geschäften stehen.
Nicht zuletzt haben die neuen Geräte ihren Preis: Um 300 bis 400 Mark wird beispielsweise ein "Bluetooth"- Handy nach Siemens-Schätzungen anfangs teurer sein als ein Apparat mit Infrarottechnik.
Dennoch sagen die Marktforscher dem "Bluetooth"-Datenfunk in den nächsten Jahren ein rasantes Wachstum voraus.
