Biometrie-Einführung gefährdet Demokratie
Der Chaos Computer Club [CCC] hat davor gewarnt, biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke oder Analysen einer Speichelprobe aller EU-Bürger in einer zentralen Datenbank zu speichern. "Das Missbrauchspotenzial steht in keinem Verhältnis zum möglichen Zugewinn bei der Verbrechensbekämpfung", sagte CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn am Freitag in Berlin.
Die Fortschritte in der Verbrechensbekämpfung ließen sich auch mit einem "technisch deutlich weniger demokratiegefährdenden System" realisieren.
Der Chaos Computer Club versteht sich als Organisation, die Sicherheitslücken und Gefahren durch moderne Informationstechnologie aufdeckt.
Chaos Computer ClubDas fordern Kriminalisten
Anfang November hatte sich der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) für die Einrichtung einer EU-weiten Fingerabdruck-Datenbank ausgesprochen. "Die anstehende Aufnahme biometrischer Daten in Ausweise über das Lichtbild hinaus macht nur Sinn, wenn diese zentral gespeichert werden und bei Kontrollen vor Ort jederzeit abrufbar sind", sagte der stellvertretende BDK-Vorsitzende Holger Bernsee. Für den BDK sei der Fingerabdruck als biometrisches Erfassungsmerkmal in Personaldokumenten dabei völlig ausreichend.
Der CCC hingegen betonte, seine Forschungen zur praktischen Sicherheit von biometrischen Systemen hätten gezeigt, dass es grundsätzliche Probleme bei einem möglichen verpflichtenden Einsatz von Biometrie gebe. Selbst bei biometrischen Erkennungsgeräten der Oberklasse könnten nur Erkennungsraten von 99,9 Prozent garantiert werden.
Jeder 1.000ste kommt dran
"Bei extrem hohen Kosten hat dann also jeder 1.000ste
kontrollierte Bürger unverschuldete Probleme bei der
Ausweiskontrolle. Bei rund 80 Millionen Deutschen wären das immerhin
schon 80.000 unbescholtene Bürger mit unverschuldetem Ärger bei
Ausweiskontrollen."
"Kompetenz hat einen Namen: Bund deutscher Kriminalbeamter"
