RTR publiziert Studie zur IKT-Politik
Eine aktualisierte Studie der österreichischen Telekom-Regulierungsbehörde [RTR] betont die Rolle des Staates in der Gestaltung nationaler IT-Strategien.
Die österreichische Telekom-Regulierungsbehörde [RTR] hat am Mittwoch eine aktualisierte Fassung seiner Studie über die IKT-Politik in führenden Industrienationen veröffentlicht.
Neu wurden die Rahmenbedingungen in Japan und Kanada untersucht und den bereits vorhandenen Daten über die IKT-Politik in Schweden, Finnland, Dänemark und Korea hinzugefügt.
Die Rolle staatlicher Planung
RTR-Chef Georg Serentschy betont in der Zusammenfassung der Studie, dass es keinen Masterplan für den optimalen Weg zur Informationsgesellschaft gebe. Entscheidend sei es, eine langfristige Strategie zu formulieren, in der alle Interessengruppen eines Landes berücksichtigt würden. In den untersuchten Staaten mit Vorbildcharakter im IKT-Bereich existierten Entwicklungspläne mit einer Laufzeit von über zehn Jahren.
Wichtig seien ferner eine hohe Marktdurchdringung mit PCs, der "öffentliche Betrieb ausgewählter strategisch wichtiger Infrastruktur" und nachhaltige Forschungspolitik.
Als entscheidenden Motor der Entwicklung in den untersuchten Ländern identifiziert die RTR-Studie die jeweiligen Regierungen. Sie seien es, die langfristige Strategien formulierten und den Rahmen für die dann meist dezentral von Industrie und Forschung betriebenen IKT-Aktivitäten setzten. Die Koordination dieser Aktivitäten erfolge dann, je nach Kultur des Landes, über formelle oder informelle Kanäle.
"Steuerungsfunktion wahrnehmen"
"Es wird zu oft übersehen, dass IKT nicht nur ein technisches Thema ist, sondern dass die Kommunikationstechnologien alle Bereiche unserer Gesellschaft durchdringen", sagt Georg Serentschy im Gespräch mit ORF.at. "Die Politik muss das erkennen und im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft eine Steuerungsfunktion wahrzunehmen."
Die Studie habe gezeigt, dass es besonders wichtig sei, eine Stelle auf höchster Regierungsebene zu haben, in der die IT-Strategie formuliert und koordiniert wird. "In jedem der untersuchten Länder gibt es eine solche Stelle", sagt Georg Serentschy. Die dort formulierte Strategie müsse dann in Projektgruppen gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft umgesetzt werden.
"Die Rolle des Staates ist in Korea und Japan besonders stark", sagt Serentschy, "Korea hat sich in kurzer Zeit von einem Agrarstaat zu einem High-Tech-Land entwickelt. Die Japaner geben aber auch Fehler zu. Mit zentraler Steuerung durch das Industrieministerium ist es ihnen nicht gelungen, die Marktführerschaft der US-Computerindustrie zu brechen."
Relevanz der IKT erkennen
Als gelungenes Beispiel für eine in "Public Private Partnership" geführte Infrastruktur sieht Serentschy das 1993 gegründete kanadische Netzwerk CANARIE. "Die kanadische Regierung hat schon sehr früh auf ein Hochgeschwindigkeitsnetz gesetzt, das öffentliche Einrichtungen miteinander verbindet." CANARIE fördert auch kanadische IT- und Medienprojekte.
Die RTR-Vergleichsstudie zeige, wie wichtig es sei, "dass die Spitze der Regierung die Wichtigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien erkennt und ihre Entwicklung strategisch steuert", so Serentschy.
