11.11.2003

PERSPEKTIVE

Virtuelles TV-Studio löst Blue Box ab

Ein neues virtuelles TV-Studio soll Schauspielern und Moderatoren die Interaktion mit computergenerierten Charakteren in Echtzeit erlauben und so die nächste Generation von Filmen mit hochkarätigen Spezialeffekten bei niedrigen Produktionskosten einläuten.

Das System mit der Bezeichnung "Origami" wurde in den vergangenen zwei Jahren von der BBC in Zusammenarbeit mit italienischen und deutschen Forschern entwickelt.

Blue Box stößt an ihre Grenzen

Bei dem bisher üblichen Chromakey-Verfahren [Blue Box/Green Box] steht der Schauspieler vor einem leeren, reflektierenden Hintergrund.

Über eine mit blau oder grün strahlenden Leuchtdioden-Kränzen [LEDs] ausgestattete Kameralinse wird der Hintergrund optimal beleuchtet, wobei sich die Silhouette des Schauspielers abhebt.

Der Hintergrund kann dann durch eine andere Szene ausgetauscht werden.

Doch die Möglichkeiten dieser Technik sind begrenzt. Die Interaktion mit den eingespielten animierten Szenen ist, ohne diese zu sehen, nur schwer möglich.

Der Regisseur kann das Ergebnis zudem nicht sofort begutachten, und die Kamera muss fix an einer Stelle stehen, damit die Winkel für die vorgedrehten Szenen stimmen.

Origami

Mit dem Origami-System findet jegliche Aktivität in einem kleinen Studio in einer vom Computer überwachten Landschaft statt.

Zwölf Kameras erstellen 3-D-Modell

Zwölf an der Decke montierte Kameras verfolgen die Aktivitäten des Darstellers und erstellen ein entsprechendes 3-D-Modell.

Die virtuelle Umgebung und etwaige weitere Charaktere werden auf Wand und Boden des Studios projiziert, sodass der Akteur diese sehen kann, die Kameras aber dank der Reflexion weiterhin nur blauen Hintergrund aufnehmen.

Zusätzlich erlaubt eine Kollisionsermittlungs-Software ein realistisches Bewegen und Interagieren mit den vituellen Objekten.

Kamera kann bewegt werden

Die gesamte Szene wird von einer Hautpkamera aufgezeichnet, die während des Drehs auch bewegt werden kann.

Auf der Hauptkamera ist eine weitere kleinere Kamera montiert, die durch Sensoren die Position der Hauptkamera mit fix montierten Lichtreflektoren an der Decke abgleicht.

Mit dieser Information passt der Computer die Perspektive der virtuellen Umgebung den Bewegungen in Echtzeit an, der Regisseur kann das Ergebnis sofort am Computer sehen.

Bei Implementierung dieses Systems in mehreren Studios weltweit wäre auch ein Zusammenspiel von einigen Schauspielern an verschiedenen Orten in derselben virtuellen Umgebung möglich.