Zwangloser Austausch in "Unkonferenzen"

06.06.2007

Bei BarCamps tauschen sich Technologieinteressierte über Projekte und Entwicklungen aus. Mitmachen kann jeder. Die Inhalte der Ad-hoc-"Unkonferenzen" werden von den Teilnehmern selbst bestimmt. Diese Woche finden in Salzburg und Wien BarCamps statt.

Weil sie im August 2005 nicht auf den vom US-Verleger Tim O'Reilly veranstalteten Technologietreffpunkt Foocamp eingeladen wurden, initiierten die Entwickler des Browsers Flock kurzerhand ihren eigenen Branchentreff. So will es zumindest die Legende.

In Anspielung an O'Reillys Foocamp, bei dem nur eingeladene Gäste Zutritt haben, nannten sie ihr Treffen BarCamp. Im Gegensatz zum Foocamp gab es keine Zugangsbeschränkungen.

Bei freiem Eintritt sollten sich Entwickler und Interessierte ebenso wie beim Foocamp zwanglos über aktuelle Projekte und Entwicklungen in der Technologiewelt austauschen.

Rund um die BarCamps etablierte sich bald der Begriff "Unkonferenz" oder Anti-Konferenz. Unter dem Motto "Keine Zuschauer, nur Teilnehmer" werden BarCamp-Besucher dazu angehalten, Präsentationen und Demos abzuhalten.

Blaupause für "Anti-Konferenzen"

Das zweitägige Treffen, das in den Räumlichkeiten der Software-Firma Socialtext stattfand und von rund 200 Leuten besucht wurde, entwickelte sich bald zur Blaupause für weitere "Anti-Konferenzen" rund um den Globus.

Seit 2005 wurden in mehr als 44 Städten weltweit BarCamps abgehalten.

"Organisationskultur schnell verbreitet"

"Die Organisationskultur des BarCamps wurde dokumentiert und hat sich schnell verbreitet", sagte Wolfgang Zeglovits, Geschäftsführer der Wiener Innovationsagentur Datenwerk, der 2005 in den USA für seine Dissertation zum Thema Weblogs recherchierte und beim ersten BarCamp in Palo Alto dabei war.

Im September 2006 wirkte Zeglovits auch an der Organisation des ersten BarCamps in Österreich mit.

Damals fanden sich rund 30 Leute im Smartspace des Mobilfunkanbieters One in der Wiener Wipplingerstraße ein. Auch in Kärnten ging im Februar 2007 bereits ein BarCamp über die Bühne.

Viele Männer, wenig große Unternehmen

Während in Palo Alto zehn bis 15 Prozent der Teilnehmer weiblich waren, gab es in Wien nur eine Besucherin.

Im Unterschied zu den USA, wo sich auch Vertreter von Technologiekonzernen bei den BarCamps blicken lassen, ist das Interesse größerer Unternehmen hier zu Lande verhalten. "BarCamps bieten der kleinen heimischen Szene jedoch die Möglichkeit, sich zu erweitern und neue Leute kennen zu lernen", sagte Zeglovits.

Auch sei der Zugang zum Netzwerken in den USA ein anderer: "Tausend Kontakte zu machen, aus denen einer etwas wird, ist besser, als auf den einen zu warten, der etwas werden könnte", so Zeglovits.

BarCamps in Salzburg und Wien

Für diese Woche sind in Österreich gleich zwei BarCamps angekündigt. Am Freitag werden in Salzburg auf Einladung des Vereins subnet Fragen zu Internet, Netzkultur und "Urban Exploring" erörtert.

Am Sonntag tauscht sich die Wiener Szene im WerkzeugH in der Schönbrunner Straße aus. Rund 50 Leute haben sich bisher angemeldet. Ablauf und Inhalte werden, wie bei BarCamps üblich, zu Beginn der Veranstaltung erstellt.