Weltabfallverband will "Dematerialisierung"
Die Abfallbranche urgiert Müllvermeidung: Anlässlich ihres Jahreskongresses am Wochenende in Melbourne präsentierte die International Solid Waste Association [ISWA], der Weltverband der Entsorger festen Mülls, eine "Zehn Jahres-Perspektive", in welcher die Industrie u.a. aufgefordert wird, Produkte künftig mit geringerem Materialeinsatz und weniger toxischen Komponenten zu kreieren, die nach Gebrauch leichter als bisher demontiert werden können.
"Die ökonomischen Prozesse haben eine 'Dematerialisierung' nötig", erläutert die ISWA in dem Papier. Das bedeute "nicht weniger Produkte, sondern Produkte, die aus weniger Material hergestellt werden. Denn weniger Material heißt weniger Abfall". Ein besseres, weil ökologischeres Produkt-Design ist nach Ansicht der ISWA unabdingbar, damit die Müllberge nicht noch weiter wachsen. Erwünschter Nebeneffekt: die Schonung von Ressourcen.
Leichtere Demontierbarkeit ermöglicht einfacheres und damit billigeres Recycling. Ein modernes Handy wiege ohne Akku zwar meist unter 100 Gramm - entspricht also der ISWA-Vorstellung von geringem Materialeinsatz -, es besteht aber aus unzähligen unterschiedlichen, oft vermischten Materialien. Ein Mobiltelefon sei daher fast unmöglich vernünftig zu zerlegen. Die Experten klagen generell, dass viele Produkte heutzutage aus neuen Materialverbunden bestehen, die das Recycling be- und verhindern.
Nach einer Schätzung des UNO-Umweltprogrammes [UNEP] fallen weltweit pro Jahr allein 325 bis 375 Millionen Tonnen an gefährlichen und giftigen Abfällen an.
International Solid Waste AssociationKooperation gefordert
"Unsere Branche war bisher vor allem auf Abfallbewältigung und technische Fragen konzentriert. Wir haben uns in der Vergangenheit vielleicht zu wenig um den Kontakt zur Industrie und um die Herstellungsprozesse gekümmert", meinte ArgeV-Geschäftsführer und ISWA-Ex-Präsident Christoph Scharff in Melbourne.
Ein erster Schritt in die neue Richtung war die Stiftung eines Lehrstuhles für "Ressourcenmanagement" - statt "Abfallwirtschaft" - an der TU Wien. Die Sammlungs- und Entsorgungsholding ARA finanziert die Professur für drei Jahre, weitere drei Jahre sind vom Wissenschaftsministerium avisiert.
Scharff: "Das ist mit Sicherheit der erste Lehrstuhl mit diesem Ansatz in Europa: sich ganze Stoffströme anzusehen anstatt bloß Abfallströme."
