31.10.2003

XETRA

Deutsche Börse verkürzt Öffnungszeiten

Aus Mangel an Kundschaft geschlossen: Die Deutsche Börse verkürzt ab Montag ihre Handelszeiten um zweieinhalb Stunden.

Der Schritt war schon lange erwartet worden, nachdem Privatanleger nach dem Platzen der Spekulationsblase dem Aktienmarkt in Scharen den Rücken gekehrt hatten. Vor allem die Banken hatten wegen hoher Kosten auf einen Wegfall des Abendhandels gedrängt.

Über das Parkett können Anleger jetzt zwar weiter bis 20.00 Uhr kaufen oder verkaufen. Experten warnen aber, dass dann das Börsenparkett für Amateure ziemlich rutschig sein kann.

Über die elektronische Handelsplattform Xetra werden rund 95 Prozent des gesamten Börsenhandels in Deutschland abgewickelt. Die Xetra-Handelszeiten waren im Juni 2000 während des Börsenbooms bis 20.00 Uhr ausgeweitet worden, um der starken Nachfrage der Privatanleger nachzukommen.

Banken froh über Dienstverkürzung

Für die Finanzinstitute lohnt sich der Abendhandel längst nicht mehr. "Es gibt viele Häuser, die sehr froh über diese Entscheidung sind", sagt Georg Baur, Finanzmarktexperte beim Bundesverband deutscher Banken. Das erspare den Geldhäusern vor allem Personalkosten, auch wenn die Branche nicht mit erneuten Stellenstreichungen reagieren will.

Doch die Frankfurter Börse hat offenbar die Hoffnung auf einen regen Handel der Privatanleger nicht aufgegeben. Kleinaktionäre können weiterhin bis 20.00 Uhr auf die altmodische Art über das Parkett handeln. Makler nehmen dann Kauf- und Verkaufsorders an und versuchen, das eine mit dem anderen in Übereinstimmung zu bringen.

Ein Problem seien dabei die geringen Umsätze, so Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Da reichen schon kleine Orders, um die Kurse kräftig zu bewegen."

Vorteile sieht Kurz unter anderem durch den Faktor Mensch: Ein guter Makler wartet bei einer Kauforder ab, wenn sich der Kurs für den Käufer günstig entwickelt. Ein weiteres Plus ergibt sich durch die Zeitverschiebung zu anderen Leitbörsen.

Kein Parkett für Durchschnittsanleger

Im Abendhandel den richtigen Zeitpunkt zum Kauf zu erkennen erfordere allerdings einige Erfahrung, mahnt Andre Wetzel vom Deutschen Aktieninstitut. "Das Parkett ist eigentlich nur etwas für ein paar Zocker, die in den letzten Stunden noch versuchen, etwas rauszuholen", sagt Aktienexperte Wetzel. Das kann Aktionärsschützer Kurz nur unterstreichen: "Der Durchschnittsanleger sollte aus dem Markt draußen bleiben."