Unterwasser-Kabeldiebe lähmen Internet

hanoi
30.05.2007

Vietnams Internet-Anbindung ist seit Wochen gestört, weil Diebe Glasfaserkabel aus dem Meer gestohlen haben.

Internet-Nutzer in Vietnam leiden Medienberichten zufolge seit Wochen unter einer merkwürdigen Schwäche ihrer Datenverbindungen ins weltweite Netz.

Nun scheint die Ursache gefunden: Diebe hatten bereits im März ein elf Kilometer langes Glasfaserkabel gestohlen - aus dem Meer.

Zwei Mio. Euro Schaden

"Das ist für unser Datensystem ein ernstes Problem", sagte am Mittwoch der Vizedirektor der vietnamesischen Telekom-Firma VTI, Lan Quoc Cuong, und bestätigte die dreiste Tat. Den Schaden schätzte er auf umgerechnet fast zwei Millionen Euro. Die Reparaturen an der Leitung werden vermutlich drei Monate dauern.

Die Diebe hatten das Kabel vermutlich mit Hilfe von Tauchern vom Meeresboden geholt und an Schrotthändler verkauft. Die Leitung gehörte zu einer von zwei Kabelverbindungen, die rund 82 Prozent der vietnamesischen Internet- und Telefonverbindungen abdecken.

Durch Zufallsfund aufgedeckt

Wer genau den aufwendigen Diebstahl ausgeführt hat, ist nach Angaben der Polizei noch unklar. Auf die Spur der Täter führte die Beamten ein Zufallsfund: In einem Küstenort brachten Ermittler ein Boot auf, das 60 Tonnen Glasfaserkabel transportierte. Nur einen Tag zuvor hatten Polizisten drei andere Schiffe mit insgesamt 40 Tonnen Kabel entdeckt. Alle Boote gehören demselben Mann.

Kabeldiebstähle häufen sich

In Vietnam gibt es seit längerem ernste Schwierigkeiten mit Kabeldieben. Nach Polizeiangaben stellten Ermittler allein in diesem Jahr rund 500 Tonnen Leitungen sicher.

Die Regierung hatte im August mit verschiedenen Firmen Verträge geschlossen, um alte Kupferkabel aus dem Meer zu bergen. Offenbar nutzten manche Geschäftsleute die Chance, dabei auch neue Kabel zu "bergen".

(dpa)