P2P-Totalüberwachung in Frankreich
Der französische Staatsrat hat vergangene Woche grünes Licht für die totale Überwachung aller P2P-User gegeben. Jetzt wehren sich die Filesharing-Nutzer dagegen, dass "Cyber-Flics" ihre Privatsphäre durchleuchten.
Am 23. Mai hat der französische Staatsrat [Conseil d'Etat], das höchste verfassungsrechtliche Gremium der Republik, beschlossen, dass es legal sei, Filesharing-Nutzer zu überwachen, die im Verlauf von 24 Stunden mehr als 50 Dateien in Peer-to-Peer-Netze einstellen.
Abgleich mit Musikdatenbank
In Zukunft sollen Strafverfolger in den P2P-Netzwerken unterwegs sein, die eine von der Musikindustrie zur Verfügung gestellte Datenbank von 10.000 Musiktiteln mit Dateien in Filesharing-Netzwerken abgleichen. Im Visier der Ermittler sollen sich dabei vor allem eDonkey, Kazaa, BitTorrent und SoulSeek befinden. Die Ermittler, so ZDnet France, würden dabei als normale Nutzer der Tauschbörsen auftreten und sich mit der IP-Adresse des Users via Provider den Klarnamen des Verdächtigen besorgen.
Tauscht ein Filesharing-Nutzer im Verlauf von 24 Stunden mehr als 50 Musikdateien, soll die Überwachung verschärft und, je nach Umfang der Urbeherrechtsverletzungen, ein Zivil- oder Strafverfahren eingeleitet werden. Laut der französischen Rechteverwertungsgesellschaft SCPP beträgt die Strafe für Verstöße in der Regel 5.000 Euro - ohne Anwaltskosten.
Datenschützer machtlos
Die amtliche französische Datenschutzorganisation CNIL hatte ursprünglich vorgeschlagen, Usern, die beim Tausch urheberrechtlich geschützter Dateien ertappt wurden, erst eine Warn-Mail zukommen zu lassen. Diesen Vorschlag lehnte der Staatsrat ab. Die CNIL hält die automatisierte Überwachung der Filesharing-Netze dagegen für unverhältnismäßig.
Gegen die automatische Überwachung aller Filesharer, die mehr als 50 Dateien gleichzeitig zum Tausch bereithalten, wehrt sich auch die von dem französischen Aktivisten Bruno Bord betriebene Protest-Website 51fichiers.org.
Online-Demo ohne Folgen
Bord ruft die französischen Filesharer zu einer Netz-Demonstration auf. "Es ist ein Protest gegen die systematische Kriminalisierung der Peer-to-Peer-Netzwerke und ihrer Nutzer", sagt Bord. Die Filesharing-Systeme dienten auch dazu, freie Software und Mediendateien zu verteilen.
Ursprünglich hatte Bord die Filesharer zu dem symbolischen Akt aufgefordert, 51 freie Dateien zum Tausch bereitzuhalten. Am Pfingstmontag schrieb er, dass diese Aktion den Überwachern aber keine Unannehmlichkeiten bereiten würde, da diese ja nur nach den Dateien in der Liste der Musikindustrie suchen würden.
Da der Inhalt der Liste nicht öffentlich bekannt sei und auch niemand wüsste, anhand welcher Kriterien die Fahnder die P2P-Netze durchstöberten, könne niemand sicher sein, ob die Behörden die Online-Demo überhaupt wahrnehmen.
Der Internationale Verband der Musikindustrie [IFPI] will künftig die Internet-Service-Provider [ISPs] bei Urheberrechtsverletzungen im großen Ausmaß zur Sperre von Nutzer-Accounts verpflichten. Die Provider haben jedoch kein Interesse, zum "Handlanger der Musikindustrie" zu werden.
(futurezone | ZDnet)
