Googles Börsengang wäre 15 Mrd. USD wert
Die Suchmaschine Google will nach bisher unbestätigten Berichten bereits Anfang nächsten Jahres ihre Aktien an der Börse unterbringen und erwägt dabei die Einführung per Auktion.
Weder Google noch etliche Investmentbanken, die der Internet-Suchdienst vorige Woche kontaktiert haben soll, nahmen zu entsprechenden Berichten in der Financial Times und im Wall Street Journal am Freitag Stellung.
Aktienpremieren laufen normalerweise über Investmenthäuser, doch den Platzierungsweg müssten die Emittenten selber wählen, sagte John Nestor, Sprecher der US-Börsenaufsicht SEC in Washington. "Sie können ihre Aktien meinetwegen ihrer Tante verkaufen, doch wahrscheinlich hätten sie damit wenig Erfolg, weil sie nicht über den Marketing-Apparat einer Bank verfügt", sagte er. "Wir achten nur darauf, dass eine Aktie vorschriftsmäßig registriert wird".
Google hat noch nicht bei NYSE angefragt
Ein Sprecher der New York Stock Exchange [NYSE], Christian
Brakman, sagte dazu: "Niemand bei Google hat sich bei uns gemeldet.
Ein Unternehmen muss selber entscheiden, wo es seine Aktien listen
will". Zu den üblichen Investmentbanken, die als Emissionshäuser in
Frage kämen, gehören Goldman Sachs, Morgan Stanley und Merill Lynch.
GoogleOnline-Börsengänge sind nichts Neues
Online-Börsengänge sind nichts Neues. Das darauf spezialisierte Institut ist W.R. Hambrecht & Co in San Francisco. Seit 1999 hat diese Bank über ihren Dienst OpenIPO acht Firmen an der Börse untergebracht, darunter das Web-Magazin Salon.com und der Kaffee-Einzelhändler Peet's Coffee. Normalerweise bestimmen Investmentbanken, zu welchen Preisen und an wen die Aktien vorzugsweise verkauft werden. Bei einer Online-Börsenpremiere geschieht dies auf dem Auktionsweg.
Nach den jüngsten Skandalen an der Wall Street schließt man nicht aus, dass Online-Platzierungen an Popularität gewinnen, sobald sich das Börsenklima allgemein verbessert hat. Seit dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 liegt der Markt für IPOs [Initial Public Offering] brach. Ein Google-IPO schon im Frühjahr könnte den Markt wieder beleben, meinte ein Mitarbeiter bei Merrill Lynch.
Über einen Online-Börsengang wird seit längerem spekuliert. Denn das Unternehmen ist seit seiner Gründung vor fünf Jahren zum Marktführer aufgestiegen. Und im Unterschied zu den meisten Internetfirmen, die an die Börse gegangen sind, verdient Google ordentlich Geld. Schätzungen zufolge würde Google bei der Premiere mehr als 15 Mrd. USD wert sein.
Leute im Umfeld Googles rechnen damit, dass die Firma im kommenden Jahr 800 Mio. USD Umsatz und 100 bis 200 Mio. USD Nettogewinn erwirtschaften wird. Das im kalifornischen Mountain View beheimatete Unternehmen beschäftigt mehr als tausend Mitarbeiter. Sie und die Risikokapitalfirmen Kleiner Perkins Caufield & Byers und Sequoia Capital wären die größten Nutznießer eines Google-IPOs.
