Die Kunst der Webisode
Unter den zahllosen zu Grunde gegangenen Dot.com-Unternehmen gab es auch etliche, die das Internet als neues Unterhaltungsmedium sahen und sich Erfolg in der Verbindung von E-Commerce und Entertainment versprachen.
Besonders spektakulär scheiterte 2001 etwa Stan Lee, der Schöpfer von legendären Comic-Figuren wie "Spiderman" und "Hulk". Seine Firma "Stan Lee Media" produzierte Online-Comics - eine bahnbrechende Mischung aus Zeichentrickfilm und animierten Comic-Strips, die ausschließlich über das Internet vertrieben wurden.
Ein ideales Format fürs Internet
Jede Woche konnte man neue Folgen der einzelnen Comic-Serien,
sogenannte "Webisodes", downloaden. Die kurzen, fürs Web
produzierten Episoden waren jeweils nur wenige Minuten lang, schnell
download- und konsumierbar und so innovativ und unterhaltsam, dass
die User immer wieder kamen.
Das Ende von Stan Lee MediaDie BBC bleibt am Ball
Welches Potential nach wie vor in diesem, für das Internet maßgeschneiderten Format steckt, zeigt die Serie "Ghosts of Albion", die exklusiv für die Website der BBC produziert wurde.
Die siebenteilige, animierte Flash-Serie spielt im 19. Jahrhundert und wurde von Jane Austens klassischen Romanen ebenso inspiriert wie von zeitgenössischen Fernsehserien wie "Buffy the Vampire Slayer".
Das Drehbuch zu "Ghosts of Albion" schrieben Christopher Golden, der auch Drehbücher für "Buffy" verfasst und Amber Benson, die in der Fernsehserie die Figur der "Tara" gespielt hat.
Die Geister des alten England...
"Ghosts of Albion" besteht aus 7 Episoden, die im Frühsommer
dieses Jahres auch über einen Zeitraum von sieben Wochen
veröffentlicht wurden. Die Episoden oder Webisodes bestehen
ihrerseits aus mehreren Teilen, meist 4 oder 5 Sequenzen mit einer
Länge von jeweils etwa 2-3 Minuten. Die Unterteilung der einzelnen
Episoden sollte den Ladevorgang erleichtern und bildete zugleich die
Struktur für das Handlungsgerüst.
Ghosts of AlbionDer Produzent im Interview
Die Länge der einzelnen Webisodes war seitens der BBC bewußt kurz gewählt. Rob Francis, der als leitender Redakteur bei BBC Interactive war maßgeblich an der Entwicklung und Produktion von "Ghosts of Albion" beteiligt war, sagt dazu:
"Wir wollten etwas produzieren, das die Leute sich in ihrer Mittagspause ansehen können, also wenn sie zwischendurch ein wenig Abwechslung haben wollen. Deshalb haben wir die Geschichte in solchen bissfertigen Häppchen produziert."
Aus dem Ö1-Magazin matrix
Richard Brem hat Rob Francis, den leitenden Redakteur bei BBC
Interactive, in London getroffen und sich von ihm in die Kunst der
Webisode einführen lassen. Weiters stellt matrix das Buch "Mix, Burn
& R.I.P." von Janko Röttgers vor. Rest in Peace - Das Ende der
Musikindustrie, wie wir sie kennen?
matrix - computer & neue medien
