Das Assoziationskettenmassaker

24.05.2007

Die Powerpoint-Persiflage "Le Grand Content" der österreichischen Filmemacher Clemens Kogler und Karo Szmit sorgt im Internet und auf der Online-Videoplattform YouTube für Aufsehen.

Fast 540.000 Mal wurde der vier Minuten lange Clip auf YouTube bereits abgerufen. Schon zuvor brachten Links von populären Weblogs wie BoingBoing und Kottke.org die Site von Kogler, wo der Film auch zu sehen ist, beinahe zum Absturz.

"Der Film wurde im Februar von einem Blogger aus Graz auf YouTube gepostet", erzählt Kogler. Dort wurde er dann innerhalb weniger Tage von mehr als 200.000 Leuten gesehen.

"Le Grand Content", schrieb der Filmkritiker Stefan Grissemann, "dürfte bereits jetzt zu den meistgesehenen österreichischen Filmen der letzten Jahrzehnte zu zählen sein".

"'Le Grand Content' untersucht die allgegenwärtige Powerpoint-Kultur auf ihr philosophisches Potenzial. Schnittmengen und Diagramme werden zu einem wahren Assoziationskettenmassaker zusammengestellt, das sich die Aufgabe stellt, alle Fragen des Universums und noch ein paar mehr zu beantworten, und darin natürlich grandiosest scheitert, aber in diesem Scheitern dennoch ein paar bezaubernde Zwischentöne inmitten der großen Themen Tod, Kabel-TV, Gefühle und Hamster erschafft", heißt es in der Kurzbeschreibung zum Film.

Weblog als Basis

Die Grundlage zum Film lieferte das Weblog Indexed. Dort postet die US-Autorin Jessica Hagy seit August 2006 beinahe täglich Karteikarten mit Diagrammen und Tortengrafiken.

"Wir wollten ausgehend von dieser Idee eine filmische Assoziationskette schaffen", sagt Kogler. Hagys Karten flossen auch direkt in "Le Grand Content" ein.

Ein Buch, das Hagys Grafiken gesammelt vorstellt, soll im Februar 2008 erscheinen.

Rechte persönlich geklärt

Hagy zeigte sich von der filmischen Umsetzung ihrer Grafiken begeistert. Rechtefragen wurden direkt zwischen den oberösterreichischen Filmemachern und Hagy geklärt.

Zur musikalischen Untermalung setzten Kogler und Szmit Musik des britischen Ambient- und Techno-Zauberers Aphex Twin ein. Warp Records, das Label des Musikers, hatte dagegen nichts einzuwenden.

Mittlerweile ist "Le Grand Content" im Vertrieb des österreichischen Avantegarde-Filmverleihs sixpackfilm und war auch schon auf zahlreichen Festivals, unter anderem bei der Diagonale in Graz und Crossing Europe in Linz, zu sehen.

Breites Publikum

Die Möglichkeiten von YouTube für die Verbreitung von Filmen beurteilt Kogler als "prinzipiell gut".

Über YouTube ließen sich auch Leute erreichen, die "nicht im Kunstkontext sind", sagt Kogler. "Wenn der Film auf YouTube ist, gehört er schon der Allgemeinheit. Das darf einen natürlich nicht stören."

"Gewisser Hang zum Trashigen"

Kogler und Szmit, die beide an der Linzer Kunstuniversität studieren, wollen die Plattform auch künftig zur Verbreitung ihrer Arbeiten nutzen.

Aber YouTube schreibe auch einen gewissen Stil vor: "Weiche Übergänge kommen nicht so gut." Das Medium treffe eine gewisse Vorauswahl, konstatiert Kogler, der bei YouTube auch "einen gewissen Hang zum Trashigen" vermutet.

Auch "Fast Film", der jüngste Film des österreichischen Filmemachers Virgil Widrich, erlebte über YouTube einen Popularitätsschub. Mehr als 47.000 Leute sahen einen Mitschnitt des Animationsfilms auf der Online-Videoplattform. Der DVD-Verkauf schnellte daraufhin in die Höhe.

~ Link: "YouTube hilft beim Filmverkauf" (../../http://www.fuzo-archiv.at/?id=163670v2) ~

(futurezone | Patrick Dax)