Microsoft: ODF soll ANSI-Standard werden
Kluger politischer Schachzug
Microsoft hat am Mittwoch bekannt gegeben, für die Aufnahme des OpenOffice-Dateiformats Open Document Format [ODF] in die Liste des American National Standards Institute [ANSI] gestimmt zu haben.
ODF ist als ISO-Standard nun gut ein Jahr alt. Die ANSI lässt ihre Mitglieder regelmäßig darüber abstimmen, welche internationalen Standards in die US-Liste übernommen werden sollen.
Standard und Standard
In einem auf der Microsoft-Website publizierten Interview sagt Tom Robertson, der in Redmond für Themen der Zusammenarbeit zwischen Microsoft-Produkten und anderen Systemen zuständig ist, man habe auf die Nutzer gehört, die offene Standards und Interoperabilität bevorzugten.
Der entscheidende Satz in dem Interview ist allerdings Robertsons Statement, dass Microsoft getrost für ODF als Standard stimmen könne, weil das eigene konkurrierende Format Office Open XML aka Ecma Open XML ganz andere Aufgaben erfülle als das OpenOffice-Pendant.
Die Regeln der International Organization for Standardization [ISO] besagen nämlich, dass es für eine technische Aufgabe möglichst nur einen Standard geben solle. Da die Allianz um OpenOffice Microsoft in der internationalen Standardisierung zuvorgekommen ist, muss Redmond nun so argumentieren, dass nur Office Open XML den Anwendern optimale Rückwärtskompatibilität zu den alten proprietären Dateiformaten zu Microsoft Office gewährleisten könne und daher einen anderen Aufgabenbereich abdecke als ODF.
Strategie der Diversität
Da ODF bereits ein anerkannter ISO-Standard ist, verschenkt Microsoft also nichts, wenn es für die Anerkennung des Formats als nationaler US-Standard stimmt.
Umgekehrt geht es für Microsoft bei der ISO-Zertifizierung von Office Open XML darum, weiter problemlos im Milliardengeschäft mit staatlichen Institutionen mitspielen zu können. Immer mehr US-Bundesstaaten verpflichten sich darauf, offene Dateiformate einzusetzen. Bisher kann in diesem politisch-technischen Spiel nur ODF mit einer ISO-Zertifizierung auftrumpfen.
Wenn Microsoft nun also für ODF als ANSI-Standard stimmt, will es die Verschiedenheit von ODF und Office Open XML betonen, um ein Signal im laufenden Prozess der ISO-Zertifizierung zu setzen.
Redmond hat es schon geschafft, Office Open XML auf den "Fast Track" der ISO-Zertifizierung zu setzen. Die diesbezügliche Entscheidung der ISO soll sich nach einer Abstimmung im September 2007 spätestens Anfang 2008 materialisieren.
