09.10.2003

BUCHMESSE

Ernüchterung beim elektronischen Publizieren

Internet und digitale Speichermedien wurden vor einigen Jahren noch als Auslöser einer Revolution des Leseverhaltens und des Verlagswesens gesehen - mit unglaublichen Wachstumschancen.

Inzwischen ist die Begeisterung über das elektronische Publizieren allerdings der Ernüchterung gewichen: "Die uneingeschränkte Euphorie der Anfangszeit gehört der Vergangenheit an", sagte Arnoud de Kemp, Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse.

"Die Möglichkeiten und Chancen des elektronischen Publizierens werden durchaus erkannt, aber in einem realistischen Licht betrachtet."

Umsätze nicht bedeutend

Elektronische Produkte wie digitale Bücher und Online-Publikationen machen bei rund 60 Prozent der deutschen Verlage immer noch einen geringen Umsatzanteil von bis zu fünf Prozent aus, wie eine Befragung unter den 665 Mitgliedern des Arbeitskreises ergab.

Die künftigen Umsatzerwartungen der Verlage in diesem Bereich seien seit der letzten Umfrage im vergangenen Jahr zudem deutlich zurückgegangen, erläuterte Tilmann Michaletz vom Ernst Klett Verlag. "Die Geschwindigkeit des Wachstums wird eher mittel sein."

Bestimmte Sektoren des E-Publishing haben sich im Verlagsalltag aber fest etabliert: "Der Internet-Buchhandel als funktionierendes Geschäftsmodell ist nicht mehr wegzudenken", sagte Michaletz. Und auch Pay-per-view im Internet habe sich etabliert und werde weiter wachsen.

Andere Bereiche entwickelten sich enttäuschend. So hätten die E-Books bei 75 Prozent der befragen Verlage die Erwartungen überhaupt nicht erfüllt. Lediglich eine Gruppe sei mit der Entwicklung von E-Books voll zufrieden - Herausgeber von Nachschlagewerken.