Süddeutscher Verlag putzt sich heraus
Der Verlag der "Süddeutschen Zeitung" präsentiert dank harter Sanierungsmaßnahmen zumindest vorübergehend sehr gute Zahlen. Unterdessen tobt der Kampf um die Kontrolle des Hauses weiter.
Der Süddeutsche Verlag [SV] hat im vergangenen Jahr bei fast unverändertem Umsatz den Gewinn kräftig gesteigert. Der Konzern, dessen Flaggschiff die "Süddeutsche Zeitung" ["SZ"] ist, konnte 2006 den Überschuss um 50 Prozent auf 35,1 Mio. Euro steigern, wie die Zeitung am Samstag berichtete. Der Süddeutsche Verlag ist mit rund 49 Prozent an der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" beteiligt, die restlichen 51 Prozent gehören Oscar Bronner.
Neue Engagements im Fachjournalismus
"Weniger rentable Objekte wurden verkauft, im Kerngeschäft verdienen wir dafür wieder deutlich mehr Geld", sagte SV-Geschäftsführer Klaus Josef Lutz. So habe sich das Unternehmen im Jahr 2006 mit seinen Fachzeitschriften aus dem IT-Sektor zurückgezogen, verstärke dafür aber seine Aktivitäten im Energie- und im Medizinsektor.
Die aktuelle Auseinandersetzung über die künftige Eigentümerstruktur des Verlags belaste das operative Geschäft nicht, betonte Lutz. Der Verlag ist im Besitz von fünf Familien und der Südwestdeutschen Medienholding [SWMH]. Die Holding will nach eigenen Angaben die Mehrheit am Süddeutschen Verlag übernehmen, hat aber andere Preisvorstellungen als die verkaufswilligen Altgesellschafter.
"SZ" kann Auflage halten
Die "Süddeutsche Zeitung" konnte ihre Auflage entgegen dem allgemeinen Trend halten und kam auf durchschnittlich 441.500 Exemplare täglich und ist damit Marktführer unter den überregionalen Blättern. Weiter in der Schublade liege das Projekt einer eigenen Sonntagszeitung. "Das redaktionelle Konzept steht", sagte Lutz. Eine Entscheidung wird erst nach Klärung der Eigentümerstruktur erwartet.
Auf Grund der Verkäufe stieg der Umsatz des SV lediglich um 0,8 Prozent von 704 Mio. Euro auf 709,3 Mio. Euro. Rechne man die Verkäufe heraus, ergibt sich laut Finanzgeschäftsführer Hanswilli Jenke ein Plus von 2,5 Prozent: "Wir machen das geringe Umsatzwachstum durch eine hohe Profitabilität mehr als wett." Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abscheibungen [EBITDA] stieg um 40,7 Prozent auf 77,1 [Vorjahr: 54,8] Mio. Euro.
Konzern "praktisch schuldenfrei"
Der Zeitungsvertrieb legte um 5,4 Prozent auf 154,8 Mio. Euro, das Anzeigengeschäft um zwei Prozent auf 358 Mio. Euro zu. Durch Desinvestitionen im Bereich Vertrieb Bücher/Zeitschriften sank dort der Umsatz um 8,9 Prozent auf 112,6 Mio. Euro.
Die Umsatzrendite des Verlags verbesserte sich auf 10,9 [7,8] Prozent. Die Eigenkapitalquote stieg von 39,1 auf 43,8 Prozent. Der Konzern ist nach den schwierigen Jahren den Angaben zufolge praktisch wieder schuldenfrei. Die Zahl der Mitarbeiter sank im Jahresdurchschnitt um 3,8 Prozent auf 3.868.
(APA | dpa)
