Hutchison "vernichtet Wert der Sprache"
Meinungsunterschiede über das "Zukunftsthema UMTS" und über die derzeitigen Mobilfunk-Geschäftsmodelle prägten am Dienstag eine Podiumsdiskussion beim IIR-Fachkongress tel.con 2003 im Wiener Hotel Marriott, zu der sich die Spitzen der österreichischen Mobilfunkbranche eingefunden hatten.
Mobilkom-austria-Chef Boris Nemsic fand gegenüber Hutschison-Austria-Boss Berthold Thoma zu dessen 0,4-Cent-Telefontarif klare Worte: "Was ich nicht verstehen kann, ist, den Wert der Sprache zu vernichten." Schließlich seien Datendienste - auch bei UMTS - "nur die Butter, das Brot ist die Sprache", so Nemsic.
Wenig Freude hat der mobilkom-Chef auch mit der Endgerätepolitik von Hutchison [3] und T-Mobile. 3 ist eine enge Partnerschaft mit dem japanischen Handyhersteller NEC eingegangen und T-Mobile hatte erst kürzlich ein eigenes Endgerät - eine Mischung aus PDA und Handy - vorgestellt.
Partnerschaften zwischen Handyherstellern und Netzbetreibern sind laut Nemsic "gegen die Industrie", weil sie den Markt künstlich teilen würden und somit die Erträge für alle minderten. T-Mobile-Chef Georg Pölzl entgegnete, dass es in einem derart schnellen Geschäft unmöglich sei, Systeme für alle Betreiber gleichermaßen zu standardisieren.
3: Preissenkung soll UMTS-Kunden lockenMobilfunker als Bank und Pornoshop
Uneinig waren sich die Handybosse auch über den Umfang des eigenen Geschäftsfeldes, insbesondere was Zusatzdienste betrifft. "Muss ich mich als Glücksspiel- oder Porno-Unternehmen betätigen?" fragte etwa tele.ring-Chef Hubertus Hofkirchner und spielte dabei indirekt auf die von mobilkom und T-Mobile erworbenen Banklizenzen an, die notwendig sind, um M-Parking, die Bezahlung der Parkscheingebühr über das Handy, zu ermöglichen.
Wenig Begeisterung kann Hofkirchner derzeit für UMTS aufbringen: "Es mag etwas kommen, heute ist davon nichts zu sehen. Ich rufe zu mehr Realismus auf."
T-Mobile-Chef Pölzl, der mit dem UMTS-Start bisher zuwartet, vernimmt hingegen ganz andere Rufe: "Der Markt ruft nach UMTS. Mobiles Breitband wird kommen." Ebenso zuversichtlich gab sich UMTS-Betreiber Nemsic: "Der Preis pro Bit ist bei UMTS nur halb so hoch wie bei GSM", rechnete er vor.
Zum Konflikt über ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs [VwGH], das laut One die mobilkom zwingt, drei 1.800er-Freuenzen in Wien bis auf weiteres nicht mehr zu nützen, meinten sowohl Czech als auch Nemsic, es gebe "keinen Streit". Nemsic ergänzte, dass sich das Urteil "nur auf Formfehler bezieht". Der Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger, ebenfalls auf dem Podium anwesend, meinte zum Urteil lapidar: "Schadenersatz wird es nicht geben, auch nicht durch das neue TKG."
Streit über Handyfrequenzen
