Digitalisierung löst Wertedebatte aus

26.04.2007

Laut der aktuellen Brennerstudie der Deutschen Phonoverbände sind auf deutschen Medien 16,6 Mrd. Musikdateien gespeichert. Für Apple-Chef Steve Jobs ist klar: Die Kunden wollen ihre Musik besitzen, nicht mieten.

Innerhalb eines Jahres hat sich laut der aktuellen Brennerstudie der deutschen Musikindustrie die Zahl der gespeicherten Musiktitel auf Rechnern, MP3-Playern und MP3-Handys in Deutschland auf 16,6 Mrd. Titel verdoppelt.

Jede der 23,5 Millionen Personen hatte demnach durchschnittlich 614 Titel auf dem PC gespeichert, das ergibt rund 14,44 Milliarden Musikstücke. Hinzu kommen laut der von GfK durchgeführten Studie weitere zwei Milliarden Musikdateien auf MP3-Playern und 128 Mio. auf MP3-Handys.

Festplatten bedrohen Werte?

Die Musikindustrie sieht in der Art der digitalen Speicherung eine Bedrohung: Weil eine Festplatte, egal wie viel Musik darauf gespeichert ist, immer gleich viel wiege, gehe schleichend das Gefühl für den Wert der Musik verloren, so der Vorsitzende der Deutschen Phonoverbände, Michael Haentjes.

Entsprechend forderte er eine Neubewertung des Urheberrechts für kreative Inhalte.

Der Anteil der Deutschen über zehn Jahren, die Musik auf PCs speichern, stieg laut der Brennerstudie im Vergleich zu 2005 von 31 auf 37 Prozent.

"Leute wollen Musik besitzen"

Dieser Einschätzung widerspricht allerdings Apple-Chef Steve Jobs mit seiner Aussage, dass Kunden des weltweit größten Online-Musik-Shops iTunes ihre Musik lieber besitzen statt nur mieten wollen.

"Man soll niemals nie sagen, aber die Kunden scheinen nicht daran interessiert zu sein", so Jobs im Rahmen der Präsentation der jüngsten Bilanzzahlen des Apple-Konzerns. "Das Abo-Modell für Musik scheint bisher gescheitert zu sein", meint Jobs, "die Leute wollen ihre Musik besitzen".

Abo-Modell für iTunes?

Apple hat seit dem Start von iTunes mehr als 2,5 Milliarden Songs verkauft und tritt demnächst in neue Verhandlungen mit der Musikindustrie ein, die zunehmend auch auf ein Abo-Modell in iTunes drängt.

Bei den Abo-Modellen werden die Songs zwar meist auch auf die Platte heruntergeladen, nach Ablauf des Abos oder bei Nichtbezahlung können die kopiergeschützten Songs jedoch nicht mehr abgespielt werden.

Bis 2007 will Jobs die Hälfte aller Songs bei iTunes ohne Kopierschutz anbieten können. Ein erster entsprechender Deal mit EMI sorgte vor kurzem für einen Schockzustand in der Musikindustrie.

Jeder Vierte hat einen MP3-Player

Die Brennerstudie wertet zudem die Zahl der MP3-fähigen Geräte in Deutschland aus, auf denen die digitalen Musiktitel abgespielt werden: Demnach hat jeder vierte Befragte oder insgesamt 14,7 Mio. Personen einen MP3-Player. Auf jedem MP3-Player waren rund 134 Titel gespeichert.

Weiters besitzen rund 7,7 Mio. Deutsche ein MP3-fähiges Handy. Zum Speichern von Musik wird es aber nur von 5,1 Mio. Personen genutzt, die durchschnittlich 25 Songs abgelegt haben.

Die höchste Verbreitung haben MP3-Player in den jüngeren Zielgruppen: 53 Prozent der Zehn- bis 19-Jährigen und 45 Prozent der 20- bis 29-Jährigen besitzen ein mobiles Abspielgerät.

Bei den 40- bis 49-Jährigen hat sich der Anteil der MP3-Player-Besitzer von 15 auf 22 Prozent und bei den über 50-Jährigen von vier auf sechs Prozent erhöht.

(futurezone | Reuters)