"Ein Dieb, um Diebe zu fangen"
Der als "Melissa"-Autor bekannt gewordene 30-jährige US-Amerikaner David Smith hat mindestens zwei Jahre lang undercover für das Bundeskriminalamt FBI gearbeitet.
Wie aus jetzt veröffentlichten Dokumenten hervorgeht, hat sich Smith damit eine wesentliche Verkürzung seiner Haftzeit auf 20 Monate ausgehandelt.
Darüber hinaus hat das FBI diverse Rechnungen für Smith beglichen, der seine Strafe derzeit in einem Bundesgefängnis absitzt. Smith hat der Polizei im Gegenzug Informationen über andere Virenschreiber geliefert, die unter anderem zur Verhaftung des Autors des Anna-Kournikova-Virus geführt haben.
Smith, ein Programmierer aus New Jersey, hatte den nach einer Stripperin benannten Melissa-Virus 1999 freigesetzt, war aber nach Hinweisen von Sicherheitsexperten bereits wenige Tage später als Urheber enttarnt worden.
20 Monate Haft für Virus-AutorDieb gegen Diebe
Nach seiner Verhaftung hat sich Smith, dem eine Verurteilung von bis zu 38 Jahren gedroht hätte, mit Aussicht auf eine Haftreduktion zur Kooperation mit dem FBI entschlossen:
"Manchmal braucht man einen Dieb, um Diebe zu fangen", begründete der damalige Bundesstaatsanwalt Elliot Turrini das Angebot an Smith. "Es gibt nur wenige Leute, die die Sprache der Virenschreiber sprechen. Ein durchschnittlich ausgebildeter FBI-Agent zählt nicht zu diesen Leuten", sagte Turrini.
Der Melissa-Autor ist bisher einer der ganz wenigen Virenschreiber, die gefasst und auch eingesperrt worden sind. Schon kurz nach seiner Inhaftierung begann er mit seinem "Nebenjob" für das FBI, anfangs 18 Stunden in der Woche, später - auf Aufforderung des Bundeskriminalamtes - fulltime für 40 Stunden.
Seine ersten verwertbaren Resultate lieferte er zu Beginn des Jahres 2001, als Smith Namen, Postadresse und E-Mail-Accounts von Jan DeWit ausfindig machen konnte, holländischer Autor des so genannten Anna-Kournikova-Virus.
Darüber hinaus konnte er Online-Diskussionen mit dem 22-jährigen Simon Vallor, Urheber des Gokar-Virus, aufzeichnen und war dabei behilflich, einen wunden Punkt bei IBMs Web-Server-Software aufzudecken. Insgesamt soll Smith für das FBI 1.745 Computer-Viren "gesammelt" haben.
