14.09.2003

MATRIX FORUM

Wie Soft- und Hardware verschmelzen

Medientheoretiker, Künstler, Journalisten, aber nur mehr wenige Wissenschafter waren dieses Jahr auf der Ars Electronica anzutreffen.

Doch letztere waren, wenn sie nicht gerade die Römer und Griechen bemühten, weit provokativer als so mancher Künstler. Während diese noch daran festhalten, zwischen Software und Hardware zu unterscheiden, beschwört Peter Bentley die Zukunft.

Nur noch "Computing Devices"

"Ich wollte nicht zu gemein sein. - Ich wollte eigentlich nur sagen, dass die

Unterscheidung zwischen Software und Hardware vielleicht nicht besonders nützlich ist. Aber genau darauf beziehen sich die Veranstalter," so Bentley.

"Meiner Meinung nach hilft uns das aber nicht weiter. Vielleicht kurzfristig, aber nicht auf Dauer. Wir wollen, dass diese beiden Dinge zusammen wachsen. Wir wollen 'Computing Devices' und kein Konzept mehr, bei dem zwischen Software und Hardware unterschieden wird.

Es ist einfach nur ein Ding, das Berechnungen durchführt, und indem man die Struktur dieses Dinges verändert, verändert man auch die Art und Weise, wie diese Berechnungen ablaufen."

Kunstsprachen

Zumindest unter Computerwissenschaftern ist man sich darüber einig, dass die Entwicklung von Softwareprogrammen schon lange nicht mehr am Reißbrett passiert, sondern einen evolutionären Prozess durchläuft. Neuer Code baut auf altem Code auf. Die Entwickler von Plansprachen aus dem 19ten Jahrhundert wie Esperanto oder Volapük hatten es da besser.

Esperanto kann man, so Leo Findeisen, als Universalsprache mit Open Source-Charakter bezeichnen, denn Ludwig Zamenhof schenkte seinen Code der Community, damit diese ihn weiterentwickle.

Die vom katholischen Priester Johann Martin Schleier aus Deutschland "ersonnene Allsprache Volapük" hatte zwar Anhänger in Europa, Australien und Amerika, aber die Sprache scheiterte: Nicht am Umlaut "U", sondern weil dies Sprache zuviele formale Fehler aufwies und der Autor zu eitel war.