Fertigkeiten statt Fakten

Ö1-TIPP
08.04.2007

Was man aus Computerspielen lernen kann - am Sonntag um 22.30 Uhr in "Matrix".

Spiele, vor allem Computerspiele, bieten die Möglichkeit, sich in hypothetischen Welten immer wieder selbst auszuprobieren und sich damit selbst näher zu kommen. Spielen steht deshalb nicht im Gegensatz zu Fleiß und Anstrengung - im Gegenteil: Es hält einen dazu an, sich an die Regeln zu halten und sich zu bemühen, die Spielziele zu erreichen. Warum also nicht Lernziele zu Spielzielen machen, überlegen Pädagogen.

Tatsächlich werden Computer-Lernspiele schon seit langem genutzt, um in Form von E-Learning-Software Inhalte aus dem Schullehrplan zu vermitteln. Allerdings gelten die bisherigen Versuche, Lernen auf diese Weise attraktiver zu machen, nicht als besonders kreativ oder gar aufregend.

Nicht die Story zählt

Das Problem bei Lernspielen ist, dass meist versucht wird, die Lerninhalte in eine Geschichte zu verpacken. Tatsächlich, so haben Spieleforscher festgestellt, geht es in Computerspielen aber nicht um die Story. Die ist maximal Beiwerk, das hilft, die Regeln besser zu verstehen.

Denn Computerspiele werden primär über ihr Regelsystem begriffen. Der Reiz an ihnen ist, diese Regeln zu verstehen und zu bewältigen und damit immer weiter zu kommen. Die Stärke von Spielen besteht also nicht im Vermitteln von Fakten, sondern darin, dass man in ihnen Zusammenhänge erkennen und erleben kann.

Die Welt ausprobieren

Ihr Lernpotenzial kann deshalb dort sinnvoll eingesetzt werden, wo man eine Welt simulieren kann und so lernt, ihre Regeln zu verstehen. Beim Militär, bei der Feuerwehr und im Wirtschaftsbereich werden solche Lernspiele bereits eingesetzt.

Öffnet ein Feuerwehrmann etwa leichtsinnig eine Tür, ohne zuvor ihre Außentemperatur gefühlt zu haben, kann das in der Realität den Tod bedeuten. Im Spiel heisst es dann zum Glück nur "Game over" und man ist um eine Erfahrung reicher. Auch bei Wirtschaftssimulationen ist es praktisch, die Regeln des Marktes erst einmal virtuell auszuprobieren, statt eine echte Firma in den Sand zu setzen.

Der konstruktive Umgang mit Fehlern, den man beim Spielen lernt, sei das große Potenzial, so Michael Wagner, Fachmann für technologieunterstütztes Lernen und Multimedia an der Donau-Uni Krems.

Andere Perspektive

Henry Jenkins vom MIT sieht einen weiteren Vorteil: In Spielen könne man sich in andere Menschen und Situationen hineinversetzen und so eine andere Perspektive auf die Welt einnehmen. Diese Möglichkeit bieten klassische Lernmedien üblicherweise nicht.

Lernen über das Lernen

In dieser Weise werden Computerspiele in Schulen aber noch wenig genutzt. Das liegt nicht nur daran, dass es wenige geeignete Spiele gibt, sondern auch daran, dass Lehrer den Umgang mit diesem Medium noch zu wenig gewohnt sind. Henry Jenkins meint, dass es wichtig sei, neue Technologien in den Unterricht zu integrieren und ihre Möglichkeiten zum Lernen zu nutzen.

Dafür müssen die Spieleforscher und Pädagogen zuerst einmal aber noch besser verstehen, was und wie man aus Computerspielen lernen kann.

Mehr dazu am Sonntag um 22.30 Uhr in "Matrix" in Ö1.

(Nikolaus König | Doris Rusch)