07.09.2003

MATRIX FORUM

Ein Webradio, das auch funktioniert

"Je mehr Musik es gibt, desto mehr stellt sich die Frage, was will ich eigentlich hören", meint Michael Breidenbrücker, der das Webradio Last.fm in London mitaufgebaut hat. "Wie kann man also etwas finden, von dem man gar nicht weiss, dass man es sucht?"

Die Antwort ist Last.fm, Radio, das sich dem individuellen Musikgeschmack anpasst.

Findet eine Nummer keinen Gefallen, wechselt man als Hörer nicht den Sender, sondern drückt einfach nur auf den Skip-Button. Auf diese Weise registriert das Programm, was gefällt und was nicht.

Die Software vergleicht die verschiedenen Benutzerprofile der Hörer und versucht so zu erraten, welche Songs einem Hörer gefallen könnten. Im Fachjargon wird dieses System "Collaborative Filtering" genannt.

Wertvolle Daten

Seit einem "Wired.com"-Artikel ist Last FM von einem Tag auf den anderen in eine völlig andere Kategorie katapultiert worden, erzählt Michael Breidenbrücker.

Plötzlich geht es um Geschäftsmodelle und Investoren klopfen an, wie zu Zeiten der New Economy Bubble. Doch der Vorarlberger und seine Freunde bleiben bodenständig, und wollen weder von Technologie-Lizensierungen, noch von Micropayments etwas wissen.

Die Geschäftsidee, die die Existenz des innovativen Webradios sichern soll: "Ob eine neue Band oder ein neuer Track auch ein Publikum findet, kann über Last.fm sehr schnell eruiert werden. Diese Möglichkeit Marktchancen im Vorfeld auszuloten, kann vor allem für kleinere Labels mit wenig Budget interessant sein", ist Michael Breidenbrücker überzeugt.

Deshalb will er vorerst nicht die Konsumenten zur Kasse bitten sondern setzt darauf, dass Last.fm sich als Evaluationstool für Produzenten und Labels bewähren wird.