Kein Games-Verbot in Wien in Sicht
In der Diskussion über "gewaltverherrlichende" Videospiele setzt Wien auf Aufklärung statt Verbote: Die zuständige Jugendstadträtin Grete Laska [SPÖ] will eine Alterskennzeichnung im Jugendschutzgesetz fest verankern.
Nachdem Wien zu Jahresbeginn eine Expertenrunde einberufen hat, folgen nun die ersten Maßnahmen.
Unter anderem wurde dazu am Freitag im Landtag ein Vierparteienantrag einstimmig angenommen, der eine bundeseinheitliche Regelung in den Jugendschutzgesetzen der Länder zum Ziel hat. Jugendschutz ist in Österreich Ländersache.
Kauforientierung für Eltern
Im Anschluss soll eine Gesetzesnovelle ausgearbeitet werden, die einen besseren Schutz bieten soll - allerdings nicht mit Ver-, sondern Geboten, etwa der verpflichtenden Kennzeichnung von Inhalten wie Gewalt und Drogen, aber auch dem geeigneten Alter. "Es geht um eine bessere Orientierung beim Kauf für Eltern", so Laska.
In einem zweiten Schritt sollen mit den anderen Bundesländern Verhandlungen aufgenommen werden, diesen Passus zu übernehmen.
Sie schätze die Chancen hoch ein, hier eine Einigung zu erzielen, zeigte sich die Wiener Jugendstadträtin zuversichtlich.
PEGI-System verpflichtend
"Im Moment gibt es dazu noch keine eindeutige Position, erst nach der Annahme des Antrags werden die Experten die Möglichkeiten genau ausarbeiten", so Laska-Sprecherin Eva Gassner gegenüber ORF.at. Das Gesetz müsse unter anderem auch mit anderen Rechtslagen in Einklang gebracht werden.
Jürgen Wutzlhofer, Mediensprecher der Wiener SPÖ, sprach in der Diskussion im Wiener Landtag dazu das bereits in zahlreichen EU-Ländern eingeführte PEGI-System an. "Auf das wird es wohl hinauslaufen", so Wutzlhofer gegenüber ORF.at.
Keine Vereinheitlichung
Das PEGI-System wird bereits Europa-weit genutzt, auch in Österreich, und ist bisher auf freiwilliger und nicht verpflichtender Basis.
Eine Vereinheitlichung wäre mit der Einführung des PEGI-System damit vorerst nicht gegeben: Salzburg und Kärtnen setzen auf das deutsche USK-System.
Prinzipiell hätten sich die Experten, darunter Psychologen, Verteter der Industrie und der Politik, allerdings dafür ausgesprochen, dass Verbote und die damit einhergehende Kriminalisierung von Jugendlichen kein Weg sei, um den falschen Gebrauch von Videospielen einzudämmen - etwa dass ein Zehnjähriger Spiele spielt, die erst ab 18 Jahren gedacht sind, so Gassner.
"Breite Diskussion"
Die gesetzliche Regelung sei aber nur ein Baustein, so Laska. "Wir wollen eine breite gesellschaftliche Diskussion auslösen."
Von 21. bis 23. September soll daher im Rathaus eine große Veranstaltung stattfinden, in deren Rahmen es Aktionen und eigene Informationstage für Jugendliche und für Familien sowie ein Fachsymposion geben wird. Zudem sollen die Magistrate und Initiativen wie die Spielebox bei der breit angelegten Kampage mitmachen und bei der Aufklärung helfen.
Es gehe um Bewusstseinsbildung und Aufklärung, nicht um ein Verteufeln, so Laska. Das sei vor allem auch bei Eltern und Lehrern vonnöten, die den Kindern bei den Computerkenntnissen oftmals unterlegen seien.
(futurezone | Nadja Igler | APA)
