Greenpeace reicht Patent auf Politiker ein

stunt
29.03.2007

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat ein Patent auf europäische Politiker eingereicht, um auf Absurditäten im Patentrecht der EU aufmerksam zu machen.

"Der Antrag wurde am 27. März beim Europäischen Patentamt in München eingereicht", bestätigte Steffen Nichtenberger, Sprecher von Greenpeace Österreich, gegenüber ORF.at. Titel der Schrift: "Gen-Profiling zur Auswahl von politischen Kandidaten, kommerzielle Nutzung von Politikern".

Die Aktion soll die Teilnehmer an der am Donnerstag und Freitag in Berlin stattfindenden EU-Konferenz zum Patentrecht aufrütteln und Zweifel an der gängigen Praxis schüren, Patente auf Leben zu erteilen.

Greenpeace-Aktivisten wollen bei dieser Gelegenheit auch Speichel- und Haarproben der Kongressteilnehmer einfordern, um zu prüfen, ob diese in eine der im Patentantrag aufgeführten EU-Politikerkategorien passen.

"Charaktertyp"

Die Patentschrift führt, unter anderem, eine Typologie von Politikern ein, die für den regionalen oder globalen Einsatz geeignet oder gar als knorriger "Charaktertyp" auftreten sollen. Zum Zweck der Politiker-Unterscheidung soll ein Gentest patentiert werden, der anhand von Biomaterial-Proben feststellen soll, in welche Kategorie der Proband gehört.

Als Beispiele für eine verfehlte Patentierungspolitik in der EU nennt Greenpeace die Gewährung eines Patents auf die Züchtung "normaler" und genmanipulierter Kühe [EP 1330552] sowie eines Patents auf ein Verfahren zur Züchtung von gentechnisch nicht verändertem Salat [EP 1179089].

Weiterhin übt Greenpeace in der Patentschrift ironisch Kritik am Menschenbild des führenden britischen Evolutionstheoretikers Richard Dawkins, das dieser in seinem Buch "Das egoistische Gen" ausgeführt hat: "Hier wird ausführlich dargelegt, dass menschliche Individuen nichts anderes wären als Roboter, die von ihren Genen gesteuert werden."