350.000 Besucher bei IFA erwartet
Am Freitag öffnet die Internationale Funkausstellung [IFA] in Berlin ihre Pforten - Fachbesucher dürfen bereits am Mittwoch hinein
Mit 958 Ausstellern aus 36 Ländern beteiligen sich so viele Aussteller wie nie zuvor in der 79-jährigen IFA-Geschichte. Die Veranstalter erwarten auf dem 160.000 Quadratmeter großen Gelände 350.000 Besucher und damit so viele wie bei der letzten Schau im Jahr 2001. Allerdings wurde die Messe auf Wunsch der Industrie von neun auf sechs Tage verkürzt.
Die Tageskarte kostet 12,50 Euro. Für Schüler und Studenten sind 8,50 Euro fällig. Günstiger ist auch ein Nachmittagsticket. Damit können für 12,50 Euro entweder zwei Besucher ab 14.00 Uhr über das Gelände pilgern oder eine Person an zwei Nachmittagen.
Programm entrümpelt
Eine zeitgemäße Ausrichtung der IFA war überfällig. Die
Ausstellung präsentiert sich nun als trendiges Schaufenster der
Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Neben ausgefeilter
Technik gibt es mehr Shows und Live-Musik. Im Blick stehen dabei vor
allem junge Besucher - die Kunden von morgen. Dafür wurde das
Programm "entrümpelt", altbackene Veranstaltungen gestrichen.
IFA BerlinKeine Promi-Galas mehr
Die Veranstalter reagierten damit auch auf die Besucherstatistik. Denn bei der IFA 2001 war mehr als ein Drittel der Besucher unter 25. Mit dem neuen Ansatz wurden auch "ritualisierte" Abläufe gestrichen. Jahrzehntelang wurde der Auftakt der Funkausstellung mit einer großen Prominenten-Gala in ARD oder ZDF gefeiert. In diesem Jahr haben die Sender erstmals andere Programmschwerpunkte gesetzt.
Die IFA hat seit Jahrzehnten Tradition: Als die "Große Deutsche Funk-Ausstellung" im Dezember 1924 erstmals ihre Tore öffnete, strömten in nur elf Tagen 180.000 Menschen in die 131 Meter lange, hölzerne Messehalle des Verbandes der Funkindustrie. Viele Besucher bestaunten zum ersten Mal in ihrem Leben Detektor-Empfänger und die ersten Röhrenradios. Erst ein Jahr zuvor hatte die "Funk-Stunde" im Berliner Vox-Haus mit einem regelmäßigen Sendebetrieb begonnen. Die Ausstellung löste nun einen regelrechten Radio-Boom aus. Tausende kauften sich ein Gerät, das meist nur mit Kopfhörer zu benutzen war.
Lobte Albert Einstein bei der Funkausstellung von 1930 noch die völkerverbindende Funktion des Rundfunks, bemächtigten sich die Nationalsozialisten drei Jahre später mit kompromissloser Schnelligkeit des neuen Mediums. "Rundfunk in jedes deutsche Haus" hieß die Parole, die Reichspropaganda-Minister Joseph Goebbels ausgab. Zwischen 1940 und 1950 war für die Funkausstellung kein Platz mehr.
IFA von 1950 bis heute
Erst 1950 machte die Publikumsmesse einen neuen Anlauf. Technische Probleme verzögerten aber den erhofften Durchbruch des Fernsehens. Im Dezember 1952 nahm der NWDR Hamburg schließlich als erster TV-Sender sein Programm auf.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Ausstellung zur Spielwiese der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF, die mit großem Aufwand live von der 1971 in "Internationale Funkausstellung" umbenannten Messe sendeten. Seit der Rundfunkreform Mitte der 80er Jahre nutzten zunächst auch die Privaten die IFA als Werbeplattform. Durch den Wandel von der bloßen Rundfunkausstellung zu einer Messe für Unterhaltungselektronik verloren sie in den vergangenen Jahren aber das Interesse.
